KOLLER Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen und dekorative Kunst, Silber, Porzellan und Fayence Auktion: Donnerstag, 22. März 2018

Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber | 338 1415* 1 PAAR KERZENSTÖCKE „A L‘AMOUR“, spätes Louis XVI, Paris, 19. Jh. Bronze vergoldet sowie weisser Marmor. Auf stilisierter Wolke stehender Amor mit geschweiftem Schaft und blätterförmigemTropfteller und blät- terbeschmückter Tülle, auf kanneliertem, und girlandenbeschmücktem Postament mit gestuftem Rundsockel. H 28,5 cm. Provenienz: Französischer Schlossbesitz. CHF 2 800 / 4 800 (€ 2 330 / 4 000) 1416 1 PAAR GIRANDOLEN, Louis XVI-Stil, Paris um 1870. Bronze matt- und glanzvergoldet. Girlandenbeschmückter Schaft mit Zentralfackel sowie 5 geschweiften, blätterbeschmückten Lichtarmen mit blätterförmigen Tropftellern und vasenförmigen Tüllen auf bastionsförmi- gem Sockel mit gequetschten Kugelfüssen. H 56 cm. Provenienz: Privatsammlung, Schweiz. CHF 2 500 / 4 500 (€ 2 080 / 3 750) 1417 PORZELLAN-LYRA-PENDULE, Louis XVI-Stil, das ältere Werk sign. LIEUTAUD A PARIS (Jean Joseph Lieutaud, Meister 1767), das Zifferblatt bez. A PARIS, das Porzellan in der Art der Manufacture de Sèvres, Paris. Blaues Porzellan sowie matt- und glattvergoldete Bronze. Lyraförmiges Gehäuse mit Apollo-Maskaron-Aufsatz auf perlstabbeschmücktem und gestuftemOvalsockel mit feinen Kreiselfüssen. Emailzifferblatt mit römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen sowie Datum. 4 teils vergoldete und durchbrochene Zeiger. Feines Messingwerk mit Scheren- gang und 1/2-Stundenschlag auf Glocke. Feiner, demWerk adaptierter Strasspendel. Bronzebeschläge in Form von Girlanden, Blättern und Zierfries. Zifferblatt leicht bestossen. 29x15x50 cm. Provenienz: Privatbesitz, Schweiz. Eine ähnliche, jedoch etwas grössere Pendule aus der Louis XVI-Epoche, stammend aus den Sammlungen des Duc d‘Orléans, wurde in unserer Napoleonica-Auktion 1995 (Katalognr. 4012) verkauft. Eine weitere wurde in unserer Dezember-Auktion 2007 (Katalognr. 1184) verkauft. Die ersten beiden Lyren in Sèvres-Porzellan, welche als Uhren konzipiert waren, sind im „Registre des ventes de la Manufacure“ auf den 4.1.1786 datiert (Sèvres, M.N.C. ArchVy10, fo 13r). Ihre Farbe wurde „beau bleu“ genannt. In der Liste werden sie gleich nach den verschiedenen Käufen von Louis XVI imDezember 1785 aufgeführt, die dieser an den jährlich stattfindenden Verkaufsausstellungen der Manufaktur in Versailles tätigte. Als Käufer der Lyren kommt - entgegen anderer Behauptungen - nicht der König in Frage, sondern ein nicht erwähnter „marchand-mer- cier“. In den gleichen Registern werden Zahlungen (ibid., Vy10, datiert auf den 30.1.1786), der Witwe Courieult erwähnt, Gattin des am 16.1.1786 verstorbenen Uhrmachers Gabriel. In dessen am 13.2.1786 erstelltem Inventar wird „une boîte de lyre en porcelaine bleu avec son cadran et ses bronzes sans être dorés, prisée deux cent quarante livres“ (Paris, A.M. Min., Cen. CXIII. 564) aufgeführt - damit kann nur die Lyra in „beau bleu“ aus dem oben erwähnten Kauf gemeint sein. Die Witwe Courieult kaufte 1786 eine zweite, 1787 5 weitere und 1788 noch eine Pendule (Sèvres, M.N.C. Arch., Vy10). Drei weitere Pendulen wurden vor dem Sturz der Monarchie anderen Personen verkauft; wovon eine als barzahlend notiert, jedoch nicht namentlich erwähnt ist (ibid., Vy10 und 11). In den Verkaufs- registern von 1795 und 1796 sind 12 an den Uhrmacher Kinable verkaufte Lyren „à fond bleu, rose, bleu céleste et vert“ notiert. 1798 erwarb der Citoyen Cardineaux eine; weitere werden 1806 erwähnt, 7 Lyren „à fond bleu“, ebenfalls von Kinable gekauft. Zusammenfassend kann festgehal- ten werden, dass imZeitraum zwischen 1785 und 1806 nur 31 Porzel- lan-Lyren verschiedener Farbgebung verkauft wurden, davon gingen 8 an die Witwe Courieult und 19 an Kinable gingen, alle stammen aus den Directoire und Empire. Mehrere Lyra-Pendulen von Kinable sind bekannt und Bestand der Sammlungen des Victoria und Albert Museum in London (Inventarnr. 1004-1882), der Königlichen Sammlungen von England oder der Walters Art Gallery in Baltimore (Inventarnr. 58.232). Wie bereits dar- gelegt, hielt die Beliebtheit der Lyra-Pendulen auch während und nach der Revolution an, es ist wahrscheinlich, dass eine Pariser Manufaktur ähnliche Modelle herstellte, wovon jene der Fondation Ephrussi de Rothschild in Saint-Jean-Cap-Ferrat - mit Werk von J. Bréant und rosa Porzellan - das wohl prächtigste Beispiel ist. Lit.: H.L. Tardy, Dictionnaire des horlogers français, Pais 1794; S. 414 (biogr. Angaben). CHF 8 000 / 14 000 (€ 6 670 / 11 670) 1415 1416

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