Koller - Schweizer Kunst AUKTION Freitag, 2. Juli 2021, 14 Uhr
3012 ALBERT ANKER (1831 Ins 1910) Strickendes Mädchen am Fenster (Une tricoteuse à la fenêtre). 1885. Öl auf Leinwand. Unten links signiert und undeutlich datiert: Anker 18[..]. 66 × 51 cm. Provenienz: - Mad. Borel Ministre, 1855. - Dr. W. Raeber, Basel. - Privatbesitz Deisswil, 1962. - Galerie Kogal, Bern, 1983. - Bedeutende Schweizer Privatsammlung. Ausstellungen: - Zürich 1911, Albert Anker, Kunsthaus Zürich, 7.5.–5.6.1911, Nr. 46, als "Stricke- rin am Fenster". - Ins 1981, Albert Anker, der Maler und sei- ne Welt. Sporthalle Ins, 19.9.–18.10.1981, Nr. 84. - Pfäffikon 1991, Albert Anker, Seedamm Kulturzentrum Pfäffikon, 5.5.–11.8.1991, Nr. 57. - Tokyo/Koriyama/Kyoto 2007–08, Albert Anker – Healing Paintings from Switzer- land, The Bunkamura Museum of Art, 1.12.2007–20.1.2008; Koriyama City Museum of Art, 2.2.–23.3.2008; 8.4.– 18.5.2008; 24.5.–22.6.2008, Nr. 84. Quelle: Albert Anker: Livre de Vente 23.9.1885: "de Mad. Borel Ministre pour une tricoteuse à la fenêtre, Lina Probst Füri 300". Literatur: - Max Huggler und Kunstmuseum Bern: Albert Anker. Katalog der Gemälde und Ölstudien, Bern 1962, Nr. 223 (mit Abb.). - Sandor Kuthy und Hans A. Lüthy: Albert Anker. Zwei Autoren über einen Maler, Zürich 1980, S. 106 (mit Abb.). - Sandor Kuthy und Therese Bhattacha- rya-Stettler: Albert Anker. Werkkatalog der Gemälde und Ölstudien, Basel 1995, S. 173, Nr. 341 (mit Abb.). - Ausst.-Kat. Albert Anker – Healing Pain- tings from Switzerland, Hrsg. Therese Bhattacharya-Stettler u. a., Bunkamura 2007, S. 145, Nr. 84 (mit Abb.). Handarbeiten und Zeitung lesen, musizie- ren und lernen – Albert Anker porträtierte den Alltag seiner Familie und Nachbarn in unzähligen Motiven. Mit Vorliebe portrai- tierte Albert Anker Menschen und vor allem Kinder aus seiner Umgebung in Ins. In einem Brief an François Ehrmann schreibt er: „Ich meine, das wahre Können besteht darin, diejenigen Figuren zu erfassen, welche man täglich sieht”. Anker ist kein Maler im Sinne des Realismus wie Millet mit seinen arbeitenden Bauern oder wie Courbet, der die müden Steinhauer zum Inhalt vieler seiner Gemälde gemacht hat. Ankers Weltbild ist positiv. Er zeigt den durch Kultur und Geschichte veredelten Menschen, im ruhigen Beieinander oder in der einfachen Tätigkeit, in der sich das reine Menschsein ausdrückt. Seinen Figu- ren sind von einer tiefen Ernsthaftigkeit, mit der sie sich ihremmomentanen Tun widmen. In ihnen zeigt sich zugleich des Künstlers grosser Respekt gegenüber dem Menschen imAllgemeinen wie auch ge- genüber seinen Modellen im Besonderen. In diesem vielfach ausgestellten und aus- gezeichnet erhaltenen Werk, das aus einer bedeutenden Anker-Sammlung stammt, zeigt der Künstler sein junges Modell im Profil und beinahe meditativ ins Stricken versunken. Das durch die Butzenscheiben des Fensters einfallende weiche Licht schmeichelt dem Inkarnat und den subtil ausgeführten Kleiderstoffen, während der Raum selbst zurückgenommen bleibt. Über der alltäglichen Szene liegen Ruhe und Unbeschwertheit, wie sie Albert Anker vielen seiner besten Bildnisse verliehen hat. CHF 800 000 / 1 200 000 (€ 727 270 / 1 090 910) Schweizer Kunst | 12
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