Koller - Schweizer Kunst AUKTION Freitag, 2. Juli 2021, 14 Uhr
3038 FERDINAND HODLER (Bern 1853–1918 Genf) Redner zur Einmütigkeit. 1913. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert: F. Hodler 126 × 77 cm. "Provenienz: - Berner Kunstsalon Fritz Brand, 1918. - Gewerbekasse Bern, 1923. - C. Garnier, Bern, 1927. - H. Kupper, Erlenbach, 1928. - Schweizer Privatbesitz, durch Erbfolge von obigem an die heutigen Besitzer. Literatur: - Carl Albert Loosli: Generalkatalog in: Fer- dinand Hodler. Leben, Werk und Nach- lass, Suter 1921–24, Nr. 355, mit Abb., als "Einstimmigkeit (Studie zum Redner), 1913". - Werner Y. Müller: Die Kunst Ferdinand Hodlers. Gesamtdarstellung. Band II, Reife und Spätwerk 1895–1918, Zürich 1941, S. 234, 491, mit Abb., Nr. 192, als "der Redner zur "Einmütigkeit", um 1913/14". - Jura Brüschweiler: Ferdinand Hodler und sein Sohn Hector, in: Neujahrsblatt der Zürcher Kunstgesellschaft, 1966–1967), Zürich 1967, S. 55 f., 121, mit Abb., als "der Redner (Hector Hodler), um 1912". - Hans Georg Gmelin: Zur Entstehung von Ferdinand Hodlers Wandbild "Einmütig- keit" in Hannover, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, 7 (1968), S. 234, mit Abb., als "Redner für die han- noversche Fassung". - Oskar Bätschmann und Paul Müller: Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde, Bd. III, Die Figurenbilder, Zürich 2017, S. 454 f., Nr. 1532 (mit Abb.). Im Januar 1911 wurde Ferdinand Hodler durch Vermittlung von Max Liebermann offiziell angefragt, ein Wandbild für den Versammlungssaal des neuen Rathauses in Hannover zu schaffen (vgl. Abb. bei Los 3058). Der Vertrag wurde Anfang 1912 unterzeichnet. Das Thema war vorgege- ben. Hodler sollte den historischen Schwur der Hannoveraner Bürgerschaft auf die protestantische Lehre vom 26. Juni 1533 zeigen. Dabei war er an die architekto- nischen Raumverhältnisse gebunden, was vor allem in der Mitte der Wand mit dem in die Bildfläche ragenden Türsturz eine kompositorische Herausforderung darstellte. Hodler löste diese Herausfor- derung brillant, indem er die reduzierte Höhe an dieser Stelle durch eine auf einem Podium stehende, alle anderen überra- gende Einzelfigur ausfüllt. Die den Redner flankierenden Gruppen von Schwörenden dynamisiert Hodler durch je 5 vor der Men- ge stehende, individuell gestaltete Män- nerfiguren (vgl. Los Nr. 3037 und 3058). Gleichzeitig mit der Ausführung des Bildes in Hannover arbeitete Hodler 1912/13 an einer zweiten, etwas kleineren Fassung desselben Themas, die er für die Aus- stellung in Paris vorgesehen hatte. Diese befindet sich heute im Kunsthaus Zürich. In der Vorbereitung zu den beiden Fassun- gen in Hannover und in Zürich hat Hodler viele kleine und grössere Studien sowohl für einzelne Figuren als auch für die ganze Komposition in verschiedenen Techni- ken geschaffen. Vom Redner existieren insgesamt fünfzehn mehr und weniger detailliert ausgeführte Studien, für die Ho- dlers Sohn Hektor anfangs Modell stand. Die fünf grossen Versionen, welche in der Höhe alle ca. 125 cmmessen, haben den Charakter eigenständiger Kunstwerke. Das hier vorliegende Werk, das sich seit beinahe hundert Jahren in derselben Privatsammlung befand und seither der Öffentlichkeit nicht mehr präsentiert wurde, war der Forschung bisher nur durch eine frühe s/w Fotografie bekannt. Nach der Wiederentdeckung des Gemäldes wird deutlich, dass es sich um die ers- te grossformatige Komposition dieser Figur handelt, die sich grundlegend von allen anderen Fassungen unterscheidet. Sie ist in direktemZusammenhang mit demWandbild von Hannover entstanden und zeigt den Redner mit bildparalleler Beinstellung. In den späteren Versionen, welche imHinblick auf die zweite Fassung in Zürich entstanden sind oder sich auf diese beziehen, dynamisiert Hodler die Figur, indem er das linke Bein des Redners raumgreifend nach vorne stellt. CHF 150 000 / 200 000 (€ 136 360 / 181 820) Schweizer Kunst | 44
RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2