Koller Gemälde Alter Meister 1. Oktober 2021

Gemälde Alter Meister | 36 3022* JAN BRUEGHEL D. J. (1601 Antwerpen 1678) Allegorie des Gehörs. Öl auf Kupfer. 59,3 × 91 cm. Gutachten: Dr. Klaus Ertz, 12.6.2021. Provenienz: - Sammlung Don Mariano Ordonez, Madrid, in dessen Familienbe- sitz seit dem 19. Jahrhundert. - Europäische Privatsammlung. - Auktion Sotheby‘s, London, 9.7.2009, Los 110. - Kunsthandel David Koetser, Zürich. - Europäische Privatsammlung. In einem offenen Raum, der von einemWassergraben flanki- ert ist, sind zahlreiche Attribute des Gehörsinns zu sehen: eine musizierende Venus und Amor mit einem Rehbock – ein Tier, das im 17. Jahrhundert symbolisch für den Gehörsinn stand –, eine Ansammlung von Musikinstrumenten auf dem Fussboden, No- tenständer mit Notenblättern sowie Musikanten imHintergrund, diverse singende Vögel und Pendulen, welche die vergehende Zeit hörbar machen. ImWassergraben zur Linken ist der Berg Helikon dargestellt, der in der Antike als der Sitz der Musen galt. Dort sind auch musizierende Musen und der geflügelte Pegasus zu sehen, welcher der Legende nach die Quelle Hippokrene dem Berg Heli- kon entspringen liess. Jan Brueghel d. J. beschäftigte sich im Laufe seines Schaffens immer wieder mit demThema der Allegorie, wofür es eine grosse Nachfrage gab. Zwei weitere Versionen dieser Allegorie des Gehörs sind bekannt, eine signierte auf Kupfer (Auktion Christie’s, London, 13.12.2000, Zuschlag 420‘000 £) und eine Version auf Eichenholz (Auktion Sotheby’s, London, 10.7.2002, Los 48). Eine Allegorie des Gehörs, welche Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625) mit Peter Paul Rubens (1577–1640) als Teil einer Serie der Dar- stellung der fünf Sinne malte und sich heute im Prado in Madrid befindet (Inv.-Nr. P01395; siehe Klaus Ertz: Jan Brueghel der Äl- tere (1568–1625), Köln 1979, S. 350–352, Kat.-Nr. 329, Abb. 420), diente wohl als Inspirationsquelle, insbesondere für die zentrale Figurengruppe mit dem Reh, den Musikinstrumenten und den Vögeln. Dr. Ertz, der unser Gemälde in die 1640er-Jahre datiert, hebt jedoch hervor, dass Brueghel d. J., der nach demTod seines Vaters dessen Werkstatt übernahm und seine gefragten Kom- positionen mehrfach wiederholte, in dieser Komposition völlig eigenständig agiert und sich hier deutlich von der ursprünglichen Komposition seines Vaters abhebt. Die beiden Figuren von Venus und Amor in der Mitte des Vor- dergrundes identifiziert Dr. Klaus Ertz als von Frans Wouters (1612–1659), der nebst Peter Paul Rubens, Hendrick van Balen (1575–1632), Frans Francken d. J. (1581–1642) und Pieter van Avont (1600–1652) häufig Figuren in Gemälden von Jan Brueghel d. J. malte – ein für die flämische Malerei zu Beginn des 17. Jahr- hunderts typisches Künstler-Phänomen. Die Vorbilder für die Figuren Frans Wouters‘ imVordergrund sind bei Peter Paul Rubens und Pieter van Avont (1600–1652) zu finden, bei denen er in die Lehre ging. CHF 200 000 / 300 000 (€ 185 190 / 277 780)

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