Koller Gemälde Alter Meister 1. Oktober 2021

| 81 3057 ANTOINE MONNOYER (Paris 1677–1745 Saint-Germain-en-Laye) Blumenstillleben. Öl auf Leinwand. Unten links signiert: JBaptiste. 81 × 104,5 cm. Gutachten: Dr. Claudia Salvi, 6.5.2021. Provenienz: - Ehemal Sammlung Frey, Bürgenstock. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Fritz Frey: Der Bürgenstock: Kunst - Geschichte - Tradition - Hoteldorf, Zürich 1967, S. 142, Abb. S. 143 (als Jean-Baptiste Monnoyer). Antoine Monnoyer, der als grosser Meister des Blumenstilllebens zusammen mit Charles Le Brun (1619–1690) in Versailles tätig war, wurde grösstenteils von seinemVater, Jean-Baptiste Monno- yer (1636–1699) ausgebildet. Er reiste mit ihm nach England, wo er für den dortigen französischen Botschafter, Sir Ralph Monta- gu, das Burlington House zusammen mit Charles de La Fosse (1636–1716) ausschmückte. Blumenstillleben erfreuten sich zu dieser Zeit ausserordentlich grosser Beliebtheit. Nach demTod seines Vaters reiste Antoine Monnoyer durch ganz Europa, unter anderem nach Rom, England, Dänemark und Schweden. Dr. Salvi betont, dass der „Monnoyer-Stil“ hauptsäch- lich dank dieser Reisen so grosse Beliebtheit erlangte und zahlrei- che Künstler, wie beispielsweise Jan Frans van Son (1658–1718), beeinflusste. Charakteristisch für Antoine Monnoyer ist der sehr dekorative Charakter seiner Kompositionen. Während Jean-Baptiste seine Blumenkompositionen direkt nach der Natur malte, wandte Anto- ine die Technik von Jacob Bogdani (1658–1724) an, der ebenfalls in England tätig war: Dieser schnitt zuerst Blumenformen aus und platzierte diese auf eine grüne Leinwand. Erst wenn er seine Komposition festgelegt hatte, malte er die Blumen nach natür- lichen Vorbildern. Ausserdemwar seine Farbwahl vielmehr von dekorativen Bedürfnissen geleitet als durch die natürlichen Farben der Blumen. Dr. Claudia Salvi datiert das hier angebotene Gemälde zwischen 1734 und 1745 und betont, dass Antoine seine Werke oft mit JBaptiste signierte, in Anlehnung an die Werke seines Vaters. Sie deutet zudem darauf hin, dass die perfekt ausbalancierte Entfaltung der Blumen auf einer ebenen Fläche, wie ein kost- barer Wandteppich, charakteristisch für die Produktion dieses wichtigen Meisters ist. Die akribische Wiedergabe der imWasser schwimmende Stiele in unseremGemälde ist dabei eine be- wusste archaisierende Wahl des Künstlers und als Hommage an die grossen Meister des Genres wie Ambrosius Bosschaert d. Ä. (1573–1621), Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625) oder Balthasar van der Ast (1593–1657) zu verstehen. CHF 15 000 / 25 000 (€ 13 890 / 23 150)

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