Koller Bücher AUKTION Mittwoch, 29. September 2021, 14 Uhr
| 16 Bücher | Literatur des 17. - 19. Jahrhunderts 141 LEXIKA - Diderot, [Denis] - D‘Alembert, [Jean Le Rond]. Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des art et des métiers... 17 Textbände, 4 Supplementbände, 11 (in 12) Ta- felbände in zus. 33 Bänden. Mit 1 gestochenen Frontispiz (zus. mit dem seltenen Erklärungs- blatt von Diderot), 1 gefalteten und gestoche- nem Stammbaum, 2786 (recte: 3129), davon 253 doppelblattgrossen und 19 mehrfach gefal- teten) Kupfertafeln sowie 7 gefalteten Tabellen. Paris, Briasson u. a., 1751-1772 (Textbde. 1-7 u. Tafelbde. 1-10); Neufchâstel (d. i. Paris), Faulche, 1765 (Textbde. 8-17); Amsterdam, Panckoucke u. Rey, 1776-1777 (Supplemente u. Supple- ment-Tafelband). Folio. Marmorierte Kalbsldr. d.Zt. mit Aussenkantenverg. sowie reicher Rückenverg. u. 2 Rückenschildern (Deckel teils berieben u. kratzspurig, gel. restauriert). Adams, Diderot I, G1 - Tchemerzine IV, 434-435 - PMM 200 – Brunet II, 700 – Graesse II, 389 – Ebert 6709. - Originale Ausgabe mit allen Tafel- und Supplement-Bänden, ohne die Indexbände, komplett mit allen Tafeln ! - Die Encyclopédie, von Diderot und D‘Alembert herausgegeben, die selbst auch einen grossen Teil der insge- samt gegen 72000 Artikel verantworteten, gilt als das bedeutendste Werk der Aufklärung. Sie ist heute eine der herausragenden Quellen für die Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft des 18. Jhs. „Ein Monument in der Geschichte des europäischen Denkens; der Gipfelpunkt des Zeitalters der Vernunft“ (PMM). Diderot beauf- sichtigte auch den grössten Teil der speziell angefertigten Kupferstiche. Die detailreichen, meist grossformatigen Abbildungen illustrieren Handwerk, Technik und Gewerbe im 18. Jh. und wurden eigens für diese Enzyklopädie herge- stellt. Der Kupferstich mit dem Stammbaum der Erkenntnis zeigt, wie alle Künste und Wissen- schaften aus den drei geistigen Fähigkeiten hervorspriessen: Vernunft, Erinnerung und Einbildungskraft. Gott und die heilige Schrift hatten hier keinen Platz, was das Unternehmen für Kirche und Staat so gefährlich machte: „Die Philosophie bildet [auf dem Kupferstich] den Stamm des Baumes, während die Theologie ein entfernter Ast in der Nähe der schwarzen Magie ist. Diderot und d‘Alembert hatten die alte Königin der Wissenschaften entthront. Sie hatten die erkennbare Welt neu geordnet und den Menschen darin neu orientiert, während sie Gott hinausdrängten.“ (Darnton, Glänzende Geschäfte, S. 16). Diderot und D‘Alembert be- absichtigten mit demWerk, nicht nur das ganze Wissen ihrer Zeit zu bündeln und zusammen- zutragen, sondern auch das Denken der Men- schen im Sinn der Aufklärung zu beeinflussen und zu verändern. Sie verzichteten weitgehend auf historische und biographische Artikel, legten dafür umso mehr Wert auf die Behandlung der angewandten mechanischen Künste, denen sie gleichberechtigten Status neben Kunst und Wissenschaft zubilligten. Von den etwas mehr als 4000 gedruckten Exemplaren fand rund die Hälfte ausserhalb Frankreichs einen Käufer, obgleich Hof, Kirche, und Richterschaft ausser sich vor Empörung waren. Im Jahr 1759 wurden die bis dahin veröfentlichten sieben Bände vom Pariser Generalstaatsanwalt verboten und vom Papst auf den Index gesetzt. Nach jahrelan- gem Rechsstreit konnten die übrigen Bände doch noch in „Neufchâstel“ (Druckort Paris) und Amsterdam erscheinen. - Die Divergenz hinsichtlich der genannten Tafelzahl auf Titelei, dem Buchbinder-Aviso, dem Inhaltsverzeich- nis und der bibliographischen Literatur ergibt sich aus der unterschiedlichen Zählweise der Mehrfachtafeln. Zusammen sind es tatsächlich 3129 (Einzel)-Tafeln, wobei Doppel-, Tripel- und Quadrupel-Tafeln als 2, 3 oder 4 (Einzel)-Tafeln gezählt wurden. - Textband 4 anfangs wurms- purig mit minimalem Buchstabenverlust, Text- band 8 im oberen Rand etwas wasserspurig und wellig, Textband 14 die ersten 4 Lagen mit Na- gespuren und Papierverlusten imweissen Rand, Supplement-Tafelband unbeschnitten, im Rand teils gering wellig und angestaubt. - Insgesamt sehr schönes, vollständiges Exemplar in guten bis prachtvollen zeitgenössischen Einbänden. - Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 25 000 / 35 000 (€ 23 150 / 32 410)
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