Koller Zeichnungen des 15. – 20. Jahrhunderts 1. Oktober 2021
3431 CHRISTOPHMURER (Zürich 1558 - 1614 Winterthur) Die drei Grazien. Um 1585/87. Feder in Schwarz, grau laviert, weiss gehöht, auf grau grundiertem Bütten. 20,4 x 15,1 cm. Provenienz: - Sammlung Engel-Gros, um 1920. - Auktion Hotel Druot, Paris, 19./20.12. 1921, Nr. 66 als Daniel Lindtmayer. - August Laube, Zürich, Auktion 3.6.1970, Lot 1048 als Christoph Murer. Literatur: - P. Ganz, L‘oeuvre d‘un Amateur d‘Art. la collection de Mons. Engel-Gros, Genf-Paris (1925) I. S. 147 f., II. Tavel 83 b als Lindtmayer. - Friedrich Thöne, Daniel Lindtmayer 1552-1606/07: die Schaffhauser Künst- lerfamilie Lindtmayer, Zürich/München 1975, Nr. 536 Abb. 453 als Christoph Murer. Die Zeichnungen und Glasscheiben der Auktion von August Laube in Zürich im Juni 1970 wurden alle von Dr. Friedrich Thöne bearbeitet. Für die Beschreibung der vorliegenden Clairobscurzeichnung verfasste Dr. Thöne den folgenden Text: „Die drei Grazien sind dargestellt als weibliche Aktfiguren, die linke nach rechts im Profil, die mittlere von hinten und die rechte schräg von vorn gesehen. Auf dem Hinterkopf der linken und der mittle- ren Kränze. Die Zuschreibung an Daniel Lindtmayer d. J. von Schaffhausen (1552 - ca. 1607) scheint erst in diesem Jahr- hundert erfolgt zu sein. Lindtmayer hat weibliche Akte dieser Art kaum dargestellt, jedoch finden sich verschiedene verwand- te Zeichnungen imWerk des Zürchers Christoph Murer. Gerade Murer liebte Frauen mit hohen Stirnen darzustellen, die fast wie Stirnglatzen erscheinen. Art und Ausführung der Zeichnung entsprechen vollständig dem Blatt ‚ImTanz schreiten- des Paar‘. Die Zeichnung ‚Die drei Grazien‘ mag Christoph Murer um 1585/87 ge- zeichnet haben.“ In seinem Katalogtext zur Zeichnung ‚ImTanz schreitendes Paar‘, die in der gleichen Auktion angeboten wurde, gab Thöne weitere Argumente für seine Zuschreibung an Christoph Murer. Er wies darin auf den stärkeren Einfluss von Tobias Stimmer auf Murer hin, der von 1583/85 ebenfalls in Strassburg lebte und führte aus: „Die starke plastische Modellierung kannte Lindtmayer nicht, auch nicht das breite Aufsetzen der Lichter“. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410) | 179
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