Impressionismus & Moderne Lot 3201 – 3317 Freitag, 23. Juni 2023, 16.30 Uhr

3243 ERICH HECKEL (Döbeln 1883–1970 Radolfzell) Gelbe Sonne. 1917. Tempera auf Leinwand. Unten rechts signiert und datiert: Erich Heckel 17. Verso signiert und betitelt: E. Heckel / Gelbe Sonne. 70 × 80 cm. Provenienz: - Gustav Ratjen, Berlin. - Nationalgalerie Berlin, Leihgabe 1932. - Sammlung Johannes Geller, Neuss, wohl nach 1945 erworben. - Sammlung Else Geller-Zärtling, Neuss, durch Erbschaft von Obigem, bis 1980. - Galerie WilhelmGrosshennig, Düssel- dorf, 1980. - Galerie Rosenbach, Hannover, 1986. - Basler Privatsammlung. Ausstellungen: - Berlin 1922, Erich Heckel, Kronprinzen- palais, März–Mai 1922. - Berlin 1928, Neuere deutsche Kunst aus Berliner Privatbesitz, Kronprinzenpalais, April 1928, Nr. 32. - Neuss 1951, Moderne Kunst aus Neus- ser Privatbesitz (Sammlung Johannes Geller), Herbst 1951. - Duisburg 1957, Erich Heckel, Städtisches Museum, 20.7.–1.9.1957, Nr. 30. - Düsseldorf 1980, Deutsche und franzö- sische Kunstwerke des 20. Jahrhunderts, Galerie WilhelmGrosshennig, 17.10.–31.3.1981. - Düsseldorf 1981, Erich Heckel, Galerie WilhelmGrosshennig, 21.5.–16.6.1981 (Kat. S. 16). - Hannover 1986, Galerie Rosenbach, Kat. 31, Nr. 33. Literatur: - Andreas Hüneke: Erich Heckel. Werkver- zeichnis der Gemälde, Wandbilder und Skulpturen, München 2017, Bd. I, S. 339, Nr. 1917-8 (mit Abb.). - Paul Vogt: Erich Heckel, Werkverzeichnis sämtlicher Gemälde, Wandmalerei und Plastiken, Recklinghausen 1965, Nr. 1917-5 (mit Abb.). Ein Grossteil von Erich Heckels Mee- reslandschaften entsteht in den Jahren zwischen 1915 und 1918 in Ostende. Die letzten drei Jahre des Ersten Weltkriegs verbringt Heckel in Flandern, wo er in der Einheit seines Freundes und Kunst- förderers Walter Kaesbach in Gent und Ostende als Militärsanitäter eingesetzt wird. Kaesbach meldet sich 1915 freiwillig zum Sanitätskorps und versammelt als Sektionskommandant eine Reihe von Künstlern in seiner Einheit. Die flexiblen Zeitpläne ermöglichen es Heckel, neben seinen Pflichten als Sanitäter regelmässig Zeit zumMalen zu finden. So entstehen zwischen 1915 und 1918 mehrere dutzend Gemälde. Von der Küstenlandschaft und den Farben des Meeres rund umOstende ist Heckel fasziniert und er fertigt etliche Seestück- Arbeiten an, welche die Stimmungen und Eindrücke dieser Umgebung einfangen. Die Meereslandschaften aus dieser Zeit zeichnen sich durch kräftige Farben und dynamische Formen aus und zei- gen Heckels Talent für die Darstellung von Bewegung und Licht. Es geht dem Künstler dabei weniger um die realistische Darstellung der Natur, sondern vielmehr um die Wiedergabe von Stimmung und Empfindung, die er durch die Landschaft erlebt und in eine expressive Bildsprache übersetzt. Wie auch in "Gelbe Sonne" bleiben die Formen und Linien dabei stark vereinfacht und verzerrt, was demGemäl- de einen Hang zur Abstraktion verleiht. Interessant ist auch die Wahl der Tempera anstelle der Ölfarbe, für die sich Heckel oft bewusst bei seinen Landschaftsgemälden entscheidet. Einerseits beeindruckt ihn die Leuchtkraft und Intensität der Tempera, andererseits bevorzugt er die grössere Kontrolle über die Farben und die schnelle Trocknungszeit, die es ihm ermöglicht, rascher zu arbeiten und mehrere Schich- ten aufzutragen, um bestimmte Effekte zu erzielen. Obwohl sich Heckel nicht direkt an der Front befindet, lastet das Gewicht des Krieges schwer auf seinen Schultern. Heckel zählt nicht zu jenen Künstlern, die sich mit ihrer Malerei politisch äussern, und doch gelingt es ihm, die Ambivalenz durch die bedrohlichen Wolken, die im Kontrast zur gelben Sonne stehen, auf eine sensible Art wiederzugeben. CHF 100 000 / 150 000 (€ 102 040 / 153 060) | 52 Impressionismus & Moderne: Eine Basler Privatsammlung

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