Gemälde Alter Meister Lot 3001 – 3074 Freitag, 22. September 2023, 14.00 Uhr
Gemälde Alter Meister | 38 3020* PIETER BRUEGHEL d. J. (Brüssel 1564–1638 Antwerpen) Anbetung der Heiligen drei Könige. Öl auf Holz. Unten mittig signiert: P. BRVEGHEL. 111,5 × 159,4 cm. Provenienz: - Europäische Privatsammlung, seit circa 1980. - Auktion Sotheby‘s, New York, 4.6.2009, Los 39. - Europäischer Privatbesitz. Diese imposante Anbetung der Heiligen Drei Könige identifi- zierte Dr. Klaus Ertz in 2009 als eine eigenhändige Arbeit von Pieter Brueghel d. J. Die Komposition erfreute sich einer grossen Nachfrage und erlangte durch mehrere Versionen eine grosse Bekanntheit. Eine weitere eigenhändige Version, die bis 1965 noch als Werk Pieter Brueghel d. Ä. (1527/30–1569), dann als Arbeit seines Sohnes Pieter Brueghel d. J. identifiziert wurde, be- findet sich im Philadelphia Museum of Art (Inv.-Nr. 83–73). Unser Gemälde kann anhand der Signatur BRVEGHEL auf vor 1616 und damit früher als das Werk in Philadelphia datiert werden. Erst ab 1616 signierte der Künstler mit BREVGHEL, in dem er E und V bewusst vertauschte. Diese spätere Signatur erschien nach einer Reinigung auf demWerk in Philadelphia und kann als wertschät- zende Distanzierung zumOeuvre des Vaters gelesen werden. Der Künstler versuchte ab 1616 das Gesamtwerk des Vaters durch eigene, jedoch eng an den Stil von Pieter Brueghel d. Ä. anknüp- fende Gemälde zu erweitern. Ein Mysterium bleibt der Zugang des Sohnes zu den Originalwer- ken des Vaters, von denen keine Dokumentation imHause der Brueghels nach demTod von Pieter Bruegel d. Ä. überliefert ist. Die bemerkenswerte stilistische Nähe und seine feine Ausführung lassen heute vermuten, dass sich Pieter Brueghel d. J. zwischen seinem Erhalt der Meisterwürde 1585 und dem Jahr 1593 aus dem sein frühestes bekanntestes Werk datiert, auf Reisen befunden hatte. Auf seiner Wanderschaft könnte er, wie für die Anbetung der Heilligen Drei Könige, Kopien nach den Originalwer- ken des Vaters in diversen Sammlungen hergestellt haben, die er später in der Werkstatt ausarbeitete. Der erste Entwurf dieser Komposition mit Tempera auf Leinen, welche sich imMusées Royaux des Beaux-Arts in Brüssel befindet (Inv.-Nr. 3929), stammt vomVater Pieter Brueghel d. Ä. und wurde von seinem Sohn Pieter d. J. als Vorlage verwendet. Die Bildge- staltung mit hoch angesetztemHorizont und scheinbar willkür- lich über die Bildfläche strömenden Massen mit karikaturistisch anmutenden Gesichtszügen und allerlei tierischen Begleitern stammt aus einer Tradition des 16. Jahrhunderts. Pieter Brueghel d. J. reagierte mit der Wiederaufnahme dieser Komposition auf die immense Nachfrage und Beliebtheit dieser Szene mit dem prominent imVordergrund inszenierten Zentrum des Gesche- hens. Durch seine qualitätsvolle Ausführung hob sich Pieter Brueghel d. J. schnell von den zahlreichen Künstlern imUmkreis und der Nachfolge des Brueghel‘schen Stils ab und erlangte gros- se Anerkennung neben seinem Bruder, dem “Blumenbrueghel“ Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625). CHF 2 000 000 / 3 000 000 (€ 2 083 330 / 3 125 000)
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