Gemälde Alter Meister Lot 3001 – 3074 Freitag, 22. September 2023, 14.00 Uhr
| 47 3026* ANTONMOZART, Umkreis (1573 Augsburg 1625) Turmbau zu Babel. Um 1600. Öl auf Holz. 31,3 × 42,9 cm. Provenienz: - Sammlung Baron von Waldthausen, Bassenheim. - Privatsammlug, Rheinland. - Auktion Lempertz, Köln, 21.11.2009, Los 1017. - Europäische Privatsammlung. Das uns vorliegende Bild verdeutlicht in seiner älteren, eckigen Darstellungsweise des Turms von Babel die ursprüngliche künstle- rische Vorstellung des Baus. Erst Pieter Brueghel d. Ä. (1526/1530 –1569) verwandelte die eckige Darstellung des Turmbaus in die, vom Kolosseum in Rom inspirierte, runde Form, die er in seinen späteren beiden Werken heute in Wien (Inv.-Nr. 1026) und Rotter- dam (Inv.-Nr. 2443) ausgestellt, präsentiert. Die kantige Turmform lässt sich auf ein verlorenes Gemälde Jan van Eycks (1390–1441) zurückführen, dessen Komposition heute lediglich durch eine weniger qualitätsvolle Kopie bekannt ist. Die Begeisterung für Miniaturmalerei, welche in unseremWerk zweifelsohne vorliegend ist, zeigt wiederrum den Einfluss der Brueghelschen Darstellung. Die filigranen, fast schon durchsichtigen Gerüste und Zugme- chanismen, die unser Künstler durch seine detailreiche Malweise wie Spielzeuge erscheinen lässt, verdeutlichen die Undurchführ- barkeit des Projekts. Geschichtlich gesehen ist die zunehmende Nachfrage nach Darstellungen des Turmbaus zu Babel möglicher- weise auch auf den gleichzeitig stattfindenden Freiheitkampfes der Niederlande gegen die spanische Vorherrschaft zurückzu- führen. Der an Uneinigkeit scheiternde Bau durfte als Mahnung an die niederländische Bevölkerung gelesen worden sein, da deren Zusammenhalt gegen Spanien durch innere Unstimmigkeiten geschwächt war. Ein interessantes Vergleichsbeispiel, welches wohl direkt als Inspiration für die Komposition gedient haben könnte, findet sich mit der, in Wasserfarbe auf Pergament gemal- ten Buchmalerei von Gerard Horenbout (1465–1541) heute in der nationalen Markusbibliothek in Venedig einsehbar (Inv.-Nr. Ms. Lat. I, 99, fol. 206r). CHF 50 000 / 70 000 (€ 52 080 / 72 920)
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