Gemälde Alter Meister Lot 3001 – 3074 Freitag, 22. September 2023, 14.00 Uhr
Gemälde Alter Meister | 56 3032* PIETER CLAESZ (Berchem um 1597–um 1660 Haarlem) Stillleben mit Brot, einem Römerglas und einem liegenden Berke- meyer, einemTeller mit Oliven, einemMesser, Austern mit Pfeffer und Salz auf einemZinnteller auf einemTisch. 1642. Öl auf Holz. Unten links monogrammiert und datiert: PC.1642. 35,1 × 50,3 cm. Gutachten: Dr. Martina Brunner-Bulst, 14.7.2023. Provenienz: - Sammlung Paulus Creulz. Berger, 1642 (verso Bezeichnung). - Privatsammlung. - Auktion Christie‘s, London, 8.10.1976, Los 16. - Kunsthandel Alfred Brod Gallery, London, 1977. - Privatsammlung Mr. and Mrs. J. Seward Johnson. - Auktion Sotheby Parke Bernet, New York, 8.1.1981, Los 9. - Auktion Christie‘s, New York, 15.1.1985, Los 36. - Privatsammlung George Gerard Arnhold. - Auktion Christie‘s, New York, 19.4.2018, Los 12. - Europäische Sammlung. Ausstellung: Maastricht 1977, Pictura, European Fine Art Fair, Mai 1977 (Brod Gallery, London). Literatur: - Ankündigung Brod Gallery in: Apollo, CV, Mai 1977, S. 400 (mit Abb.). - Ankündigung Brod Gallery in: Die Weltkunst, XLVII, Juni 1977, S. 1147 (mit Abb.). - Nicolaas R. A. Vroom: A Modest Message, as intimated by the painters of the Monochrome Banketje, Schiedam 1980, Bd. I, S. 155, Bd. II, S. 51, Nr. 242 (als Franchoys Elaut). - Nicolaas R. A. Vroom: A Modest Message, as intimated by the painters of the Monochrome Banketje, Nürnberg 1999, Bd. III, S. 63, Abb. 51 (als Franchoys Elaut). Pieter Claesz war wohl der bekannteste Haarlemer Stilllebenmaler in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Er wurde um 1597 in Berchem, in der Nähe von Antwerpen, geboren. Über seine frühe künstlerische Ausbildung ist leider wenig bekannt, jedoch ist ein deutlicher Einfluss der Antwerpener Meister Osias Beert (1580– 1624) und Clara Peeters (1594–1658) in seinen frühen Werken zu erkennen. Nach einer vierzigjährigen Karriere stirbt Pieter Claesz 1660 imAlter von 63 Jahren und hinterlässt ein Oeuvre von etwa 260 Stillleben. In dem hier vorgestellten Ontbijtje von 1642 sehen wir den Maler auf demHöhepunkt seiner Meisterschaft. Das uns vorliegende Gemälde zeigt den einzigartigen Stil des Künstlers, der sich in dem „monochrome Banketje“ widerspiegelt. Das Claesz charakteri- sierende Merkmal ist die eingeschränkte Verwendung von Farbe und Gegenständen, die seine Stillleben besonders hervorstechen lässt. Der Künstler verarbeitet auf seinen Gemälden meisterhaft Materialien, wie Silber und Gold, Zinn, Keramik, Glas und verschie- dene Lebensmittel, die er mit einer unsichtbaren, hellen Licht- quelle beleuchtete. Einer der prominenten Gegenstände in diesem Stillleben sind die rechts auf demZinnteller platzierten Austern. Von Pieter Claesz‘ Gesamtwerk enthalten 38 Stillleben Austern. Das früheste dieser Gemälde ist auf 1624 datiert und scheint das erste in Haarlem gemalte Austernstillleben zu sein. Die hier dargestellten Austern in ihren glänzenden Perlmuttbetten sind mit fliessenden Pinsel- strichen in Weiss, Grau und Ocker sowie minimalen Rosa- und Blautönen gemalt. Die Innenseiten der Muscheln werden durch die braunen Grautöne der Aussenseiten kontrastiert und eignen sich in ihrer zurückhaltenden Farbigkeit und als Symbol für Reich- tum perfekt für den monochromen Stil des Haarlemer Malers. So waren sie nicht nur eine äusserst kostbare Speise, sondern wur- den auch als Aphrodisiakum gesehen und häufig auf Gemälden, die mythologische Szenen und heidnische Götterfeste zeigten, auf reich geschmückten Tischen angerichtet. Jeder Gegenstand ist tadellos in der Komposition platziert. Dieses Gemälde gehört zu einer Gruppe von Stillleben aus den frühen 1640er Jahren, die sich durch die sorgfältige Anordnung der Gegenstände durch den Künstler auszeichnet und schliess- lich in einem einzigen freistehenden monumentalen Römer gipfelt. Besonders auffällig ist die liegende Position der anderen Gegenstände in der Komposition, die die aufragende Grösse des Römers kontrastreich verdeutlicht. Pieter Claesz verzichtete in dieser reifen Phase meist auf die voluminöse weisse Serviette, die in seinen Gemälden sonst selten fehlt. Durch die bemerkenswerte Plastizität der dargestellten Gegenstände schafft es Claesz, die einfache Mahlzeit wie ein reiches Festmahl erscheinen zu lassen. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Pieter Claesz archiviert. CHF 200 000 / 250 000 (€ 208 330 / 260 420)
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