Impressionismus & Moderne Lot 3201 – 3274 Freitag, 1. Dezember 2023, 16.30 Uhr
| 44 Impressionismus & Moderne 3235 HERMANNMAX PECHSTEIN (Zwickau 1881–1955 Berlin) Landschaft (Häuser in Dünen). 1927. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert und datiert: HMPechstein / 1927. 70,5 × 80,5 cm. Wir danken Prof. Dr. Aya Soika für die Bestätigung der Authentizität des Werks. Gutachten: Prof. Dr. Aya Soika, Berlin, 4.10.2023. Provenienz: Schweizer Privatsammlung, durch Erbschaft an die heutigen Besitzer. Wie wichtig die Suche nach demNaturidyll für den deutschen Expressionismus ist, bezeugen Hermann Max Pechsteins zahl- reiche Reisen nach Pommern. Erste Aufenthalte in der Region finden ab 1909 in der Künstlerkolonie Nidden statt, wo Pechstein mit anderen Expressionisten und Vertretern der Künstlergruppe "Brücke" einen fruchtbaren künstlerischen Nährboden für ihre naturverbundene Malerei findet. Die Aufenthalte in dieser Region sind für Pechsteins malerisches Werk von essenzieller Bedeutung. Nach eigener Aussage fühlt er sich der dortigen Landschaft und ihren Menschen besonders verbunden. ImGegensatz zum hekti- schen Berlin der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg scheint er hier das ersehnte Ideal eines friedvollen Lebens gefunden zu haben. Pechsteins überschwängliche, lebensbejahende Beschreibungen seiner Aufenthalte in Pommern lassen eine nahezu romantisch beeinflusste Lesart zu:"Ich lernte diese Küste nicht nur schätzen, sondern auch lieben. Sei es nun, dass ich auf meinen Streifzügen weiter ins Land hinein, ins ‚blaue Ländchen' kam, in herrliche Wäl- der, zwischen denen verborgene Seen aufblitzten und sprudelnde Flüsse und Bäche sich durch die Landschaft schlängelten." (Soika, 2011, S. 76.). Erstmalig im Juni 1927 beschliesst Pechstein, im abgeschiedenen Fischerdorf Rowe bei Leba (heutiges Rowy in Polen) in Hinter- pommern zu verweilen. Die vernakulären Gehöfte und Fischer- hütten, die Farbintensität der Landschaft sowie die Sublimität der unverfälschten, allumfänglichen Natur inspirieren Pechstein in den Jahren 1927 bis 1930 wiederholt zu Gemälden mit ähnlichen Sujets. In diese Zeit fällt die Entstehung des vorliegenden Werks. Prof. Dr. Aya Soika vermutet, dass unser Gemälde im Laufe des Sommers 1927 vor Ort, möglicherweise aber auch erst im Anschluss an seine Rückkehr nach Berlin Anfang Oktober, ent- stand. Pechsteins Arbeiten dieser Zeit sind stilistisch von einem tradierten Expressionismus bestimmt, der sich besonders in den Farbwerten manifestiert. Die intensiven, lichtdurchfluteten Gelb-, Beige- und Ockertöne der Dünen verschmelzen in wellenartigen Bewegungen mit dem satten Grün der Gräser und Büsche. Die zwischen den Dünen eingenisteten spitzgiebeligen Schilfdächer der Fischerhäuser rhythmisieren den Übergang zu einem durch Schleierwolken durchzogenen blauen Himmel. Pechsteins Hang zu einem einfachen Bildaufbau, der sich am landschaftlich Vorge- fundenen orientiert, illustriert eine Aneignung expressionistischer Herangehensweisen. Summarisch-kompakte Formen, vibrieren- de Farbflächen und Verwirbelungen wie beispielsweise der aus dem Schornstein aufsteigende Rauch belegen des Weiteren den Einfluss eines Vincent Van Gogh, von dem Pechstein zu sagen pflegte, er sei der Ziehvater aller darauffolgenden Künstler. CHF 100 000 / 150 000 (€ 104 170 / 156 250)
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