Gemälde des 19. Jahrhunderts Lot 3201 – 3248 Freitag, Gemälde des 19. Jahrhunderts Lot 3201 – 3248 Freitag, 22. März 2024, 15.30 Uhr22.
Gemälde des 19. Jahrhunderts | 122 3201 FERDINAND GEORGWALDMÜLLER (Wien 1793–1865 Helmstreitmühle) Eine Buche bei Ischl. 1831. Öl auf Holz. Unten mittig signiert und datiert: Waldmüller 1831. 31,5 × 25,5 cm. Provenienz: - Auktion Salon Löscher, Wien, 11.–13.5.1863, Los 29, als „Parthie bei Ischl“. - Kunsthandlung Alois Leykum, Wien (verso mit Etikett). - Sammlung Friedrich Jakob Gsell, Wien (verso mit Etikett). - Auktion Georg Plach, Wien, Versteigerung Nachlass F. J. Gsell, 14.3.1872, Los 386, als „Karolinensitz bei Ischl“. - Auktion Dorotheum, Wien, 1924, Los 96. - Sammlung Hans Bühler-Volkart, 1942 (verso mit Etikett). - Schweizer Privatbesitz. Ausstellungen: - Wien 1832, Akademie Ausstellung, Nr. 252. - Wien 1865, Österreichischer Kunstverein, Nr. 4, als „Naturstudie aus Oberösterreich“. - Winterthur 1942, Der Winterthurer Privatbesitz I, Kunstmuseum Winterthur, 5.9.–1.11.1942, Nr. 289 (verso mit Etikett). - Salzburg 1953, Waldmüller-Ausstellung, Residenzgalerie, 15.6.–15.9.1953 (verso mit Etikett). Literatur: - Heinrich Schwarz: Salzburg und das Salzkammergut: Eine künst- lerische Entdeckung der Stadt und der Landschaft in Bildern des 19. Jahrhunderts, Salzburg 1977, Abb. 200. - Rupert Feuchtmüller: Ferdinand Georg Waldmüller, 1793–1865. Leben - Schriften - Werke. Hrsg. von der Österreichischen Galerie in Wien, 1996, S. 448, Nr. 310 (als Eine Buche bey Ischl, mit Abb.). “Die Natur ist so reich, so mannigfach und unerschöpflich, dass nichts weiter als das Auge eines talentvollen Künstlers dazu gehört, diesen Schatz zu entdecken, diese Fülle auszubeuten.” Mit diesen Worten reflektiert Ferdinand Georg Waldmüller seine Mo- tivation für die aussergewöhnlichen Naturdarstellungen in seiner Malerei, die insbesondere zu Beginn der 1830er-Jahre das Werk des wohl bekanntesten österreichischen Malers der Biedermeier- zeit bestimmten. Das hier angebotene Gemälde ”Eine Buche bei Ischl”, welches in das Jahr 1831 datiert ist, steht beispielhaft für jene wichtige Episode im künstlerischen Schaffen Waldmüllers, in der er sich mit seinen Landschaftsdarstellungen deutlich von der bisweilen archaisierenden Naturanschauung der akademischen Land- schaftsmalerei seiner Zeitgenossen distanziert. Als Quell seiner Naturdarstellungen zu Beginn der 1830er-Jahre diente dem Künstler vielfach die damals wenig erschlossene österreichische Voralpenlandschaft, das Salzkammergut, so auch in dem vorlie- genden Gemälde. Typisch für die Salzkammergutlandschaften des Künstlers sind nahsichtige Waldausschnitte, die nur wenig Himmel sichtbar lassen und den Blick in die Ferne gänzlich verhindern. Und so präsentiert sich auch das uns vorliegende Gemälde als einen Blick ins Waldinnere, welcher von der in der Bildmitte platzierten knor- rigen Buche dominiert wird. Farbig-plastisch modelliert der feine Pinselduktus Waldmüllers die Physiognomie des alten Baumes und gibt mit virtuoser Lockerheit die Haptik seines Holzes und seiner Rinde wieder. Durch das Geflecht seiner dicken Äste und durch das dichte Blätterdach der ihn umgebenden Vegetation des Mischwaldes brechen stellenweise Sonnenschein sowie das Blau des Himmels hindurch und sorgen so für ein lebendiges Spiel aus Licht und Schatten imWaldinneren. Dadurch wohnt dem Gemälde Waldmüllers eine attraktive Farbigkeit inne, die auch in den kleinen, auf den ersten Blick recht unscheinbaren bunten Blumen im Bildvordergrund wiederzufinden ist. Die einzelne kleine Figur, deren Winzigkeit imGegensatz zu der bildbestimmen- den mächtigen Buche steht, bahnt sich auf dem unwegsamen Waldpfad in der rechten Bildhälfte ihren Weg durch Waldmüllers Gemälde und unterstreicht dabei dessen künstlerische Idee einer überwältigenden Naturempfindung, wobei sie gleichsam auf das im 19. Jahrhundert in Literatur und Kunst weit verbreitete Motiv der Waldeinsamkeit hindeutet. Im vorliegenden Gemälde zeigt uns Ferdinand Georg Waldmüller die Natur zumZeitpunkt ihrer reichsten Entfaltung und vermag es, treffend die Lebendigkeit des Waldes wiederzugeben. Wald- müllers Buche bei Ischl ist eine lichtmalerische Ausformulierung erlebter Naturerfahrung, die von der positivistisch-realistischen Gesinnung des Künstlers zeugt und uns selbst dazu ermuntert, uns in die Natur zu begeben, sie auszukosten und ihre uner- schöpflichen Schätze zu entdecken. CHF 40 000 / 60 000 (€ 42 110 / 63 160)
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