Bücher Mittwoch, 20. März 2024, 14.00 Uhr
| 90 Bücher | Buchmalerei 516* KALENDARIUM - Drei Kalenderblätter aus einem französischen Gebetbuch, beidseitig beschrieben. Handschrift in Gold, Blau, Rot und Schwarz auf Pergament. Mit 3 Doppelminiatu- ren für Monat und Tierkreiszeichen in Deck- farben sowie floral gefüllten Bordüren, recto dreiseitig, verso nur am Innenrand. [Paris, wohl Umkreis des Jacques Besançon, 1480-1500]. 16 × 10,5 cm, Schriftspiegel recto 8 × 6 cm, verso etwas kleiner. Für die Monate Juni (Heumahd/Krebs), Sep- tember (Keltern/Waage) und Oktober (Aussaat/ Skorpion). - Etwas vergilbt, in den Rändern leicht abgegriffen. - Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 1 200 / 1 800 (€ 1 260 / 1 890) 517* - Kalendarium. Französische Handschrift auf Pergament. Mit 12 grossen farbigen Dorn- blatt-Initialen auf Goldgrund, unterhalb jeweils Doppelstab-Zierleisten mit Dornblatt-Ranken, 12 farbigen Monatsbildern und 11 farbigen Tier- kreiszeichen, ferner mit zahlreichen einzeiligen Blattgold-Initialen auf blauem oder blassrotem Grund. Paris um 1380/90. 22 × 17,5 cm. Sam- teinband des 18. Jahrhunderts. “Ein sehr anmutiges Beispiel eines mit Mo- natsbildern und Tierkreiszeichen versehenen Kalenders aus Paris, in treffender Weise von einemMeister des 14. Jahrhunderts illuminiert. Kalendarien wie überhaupt Stundenbücher aus der Entstehungszeit dieses Kodex sind recht selten!“ (Eberhard König). - Besonders reizend sind die vielen Details der Monatsbilder, die das Alltagsleben des späten Mittelalters veran- schaulichen, so der Haken für die Kochtöpfe über der Feuerstelle (Februar), die Sense mit den beiden Handgriffen (Juni), der bewegliche Dre - schflegel (August) u.v.m. - Malweise und Stil der Miniaturen entsprechen der Pariser Buchmale- rei in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Charakteristisch sind die etwas gedrungenen Figuren mit breit angelegten, unproportional großen Gesichtern in Deckweiß. Die Zeichnung selbst ist in Braun, die Kolorierung bevorzugt leuchtendes Zinnober, Dunkelblau und Altrosa sowie ein verwaschenes Grasgrün als Bodenflä - che für die Figuren (selbst bei den Fischen des Tierkreiszeichens für Februar). „In entsprechen- der Weise sind eine ganze Reihe von literari- schen Handschriften, darunter eine wichtige Gruppe von Rosenromanen, gestaltet; in diesen Rosenromanen ... kommt es zur Ausprägung sehr interessanter Grotesken“ (E. König). Der vollbesetzte Kalender hebt ausschließlich Heilige hervor, die für Paris (und vereinzelt für Nordfrankreich) charakteristisch sind, darunter Mor (15. Jan.), Nicholas (9. Mai), Eloy (25. Juni und 1 Dez.), Martin (5. Juli), Magdalena (23. Juli), Estienne (3. Aug.), Louys (25. Aug.), Denis (9. Okt.) und Katherine (25. Nov.). Genoveva ist nicht hervorgehoben, jedoch mit 2 Festen vertreten (3. Jan. und 26. Nov.). Auch findet sich in Rot einer der Patrone von Rouen, Saint Ouen (24. Aug.), sowie Saint Quentin (31. Okt.). Der Kodex war vermutlich Bestandteil eines bedeutenden Pariser Stundenbuchs, das in den 1930er Jahren aufgelöst wurde. Einzelne Miniaturen daraus sind in den nachfolgenden Jahrzehnten im Kunsthandel verkauft worden, so das Blatt mit der Kreuzigung, das sich heute imNew Yorker Metropolitan Museum als Nr. 39.81 im Pulitzer Fund befindet (online unter: http://www.metmuseum.org/toah/works-of- art/39.81.4/). Provenienz: E. König, Leuchtendes Mittelalter V (H. Katalog Tenschert XXX), 1993, Nr. 9. - Sotheby’s 6. Dez. 2001, Lot 15. - Europäischer Privatbesitz. CHF 40 000 / 60 000 (€ 42 110 / 63 160) 517 517
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