Decorative Arts Donnerstag, 21. März 2024, 10.00 Uhr, Lot 1001– 1237
| 104 Decorative Arts | Antiken, Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber und Porzellan 1130 SELTENE PARKETTERIE-KOMMODE Louis XVI, Bern um 1785. Von Johannes Äbersold (1737–1812) und seiner Werkstatt. Rosenholz, Palisander, Riegelahorn, Nuss - baum, Ahorn und teils gravierte Fruchthölzer, furniert und massiv. Frontseitig an den Ecken geschrägter, zweischübiger Korpus auf kantigen, sich nach unten verjüngenden Beinen in frontsei - tigen Sabots. Wenig vorstehendes, originales, in Rot-violett und Weiss durchzogenes, profiliertes „Oberhasli“-Marmorblatt. Die Front ohne Traverse und in drei hochrechteckige Felder unter - teilt, gerahmt mit dreifachem Filet. Das innere Filet illusionistisch graviert in Imitation von umfassten Leinenballen. Die äussere Fläche in feinem Rosenholz. Vergoldete Handhaben in Form von klassizistischen Ziervasen mit seitlichen Widderköpfen, die Zugringe in Form von Lorbeerkränzen, die Schlüssellochzierden mit Olivenzweigen und Schlaufen. Die Schmalseiten in gleicher Manier gestaltet, die Flächen hier bastionsartig mit Filetumran - dung. Ausgeschnittene Zarge und vorstehender Mittelrisalit. Der abschliessende Fries mit schlüsselbartartig gezogenemMäander. Innen mit Kleisterpapier ausgeschlagen, originale Schlösser. 115 × 54,5 × 89 cm. In originaler Erhaltung mit alter Politur. Provenienz: Aus Schweizer Privatbesitz. Die hier angebotene Kommode ist sicher eines der feinsten und in seinemDekor ausgewogensten Erzeugnisse der berühmten Werkstatt des Johannes Äbersold (1737-1812). Unsere Kom - mode dürfte wohl zeitgleich und möglicherweise für den gleichen Auftraggeber gefertigt worden sein, wie ein Ovaltischchen des Meisters, welches 1785 für Gabriel von Wattenwyl, anlässlich dessen Wahl zum Schultheissen des Äusseren Standes, gefer - tigt wurde und sich heute in Schloss Oberhofen amThunersee befindet (Bernisches Historisches Museum, Inv.-Nr. 33191). Beide Möbel weisen neben der identischen Furnierwahl auch dieses aussergewöhnliche, schlüsselbartartig gezogene Mäanderband auf. Wie nur wenige weitere Möbel des Ateliers, verweist unser Möbel in vollkommenster Weise auf die Pariser-Zeit des Johannes Äbersold, um 1767, wo er die neuen Modeströmungen des „Style à la grecque“ zu seiner eigentlichen Blütezeit miterleben durfte und solche Ideen zu einer Zeit in Bern einführen konnte, als man auf demGebiet der Alten Eidgenossenschaft noch sehr stark den gerundeten Formen des Rokokos verpflichtet war. Besonders in den vomMeister und seiner Werkstatt gefertigten Kommoden - möbeln ist dieser Pariser Einfluss ganz zweifelsfrei nachvollzieh - bar und wurden in der Zeit zwischen 1775 und 1785 seine bedeu - tendsten Arbeiten in Bern gefertigt, darunter die hier angebotene, sich in ihrem originalen Zustand erhaltene Kommode. Lit. Hermann von Fischer, Johannes Äbersold 1737-1812. Ein Berner Ebenist zwischen Mathäus Funk und Christoph Hopfen - gärtner. Katalog zur Ausstellung in Schloss Jegenstorf, 13.5- 15.10.2000, Abb. S. 26, Kat. Nr. 16. CHF 6 000 / 10 000 (€ 6 320 / 10 530)
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