Decorative Arts Donnerstag, 21. März 2024, 10.00 Uhr, Lot 1001– 1237
| 124 Decorative Arts | Antiken, Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber und Porzellan 1159 BEDEUTENDE GOLD-EMAIL-TABATIÈRE Paris, um 1770. Meistermarke Charles Le Bastier. Ovale Dose mit flachem Scharnierdeckel. Die Wandung allseitig mit grau-weiss-gesprenkeltem Email und mit ovalen, grün emaillier - ten Medaillons versehen, die jeweils mit einem in Gold ausgeführ - ten Flachrelief geschmückt sind. Auf demDeckel ovales Medaillon auf grünem Fonds mit von Lorbeer und Blüten geschmücktem Goldrahmen und zentralem Flachrelief von Marie Antoinette (1755–1793). Im Innern des Deckels ist ein ovales Rähmchen eingesetzt, das hinter einemmit einemVergissmeinnicht-Motiv versehenen Glasplättchen rautenförmig angeordnete Haare birgt, die wohl von Marie-Antoinette stammen. Am inneren Boden der Dose befindet sich, wie für die meisten von Le Bastier gefertigten Tabatières, die eingeschlagene Referenz - nummer (hier Nr. 504). Originale Aufbewahrungsschatulle aus grünem Echsenleder. L: 6.6 cm, 100 g. Provenienz: - Kunsthandel Martina Erica Spica, Lugano. - Privatsammlung, Schweiz. Charles Le Bastier war ein seinerzeit gefragter Goldschmied, der sich insbesondere mit seinen qualitativ hochwertigen und prunkvollen Tabatièren hervortat. Als Sohn eines Pariser Kauf - manns wurde er am 3. Oktober 1738 imAlter von 14 Jahren bei Gabriel Vougny, Marchand-orfèvre-joaillier, in die Lehre geschickt. Mit der Unterstützung von Jean Moynat, der selbst ein bekann - ter Goldschmied war, wurde Le Bastier am 20. Dezember 1754 Goldschmiedemeister. Er arbeitete in denselben Räumlichkeiten in der Rue Thévenot, in der Nähe der Rue St-Denis, bis zu seiner letzten Erwähnung im Jahr 1783. In der Sondersteuerliste von 1774 wurde Le Bastier in der Reihenfolge der Bedeutung seines Geschäfts auf Platz 9 geführt. Da mehrere Dosen des Gold - schmieds in verschiedenen Sammlungen erhalten sind (vor allem im Louvre und imMuseumThurn und Taxis in Regensburg), lässt sich die Entwicklung seines Werks von den ersten Silberdosen mit farbigen Goldverzierungen über eine Reihe reich ziselierter, aber vergleichsweise schlichter Golddosen bis hin zu den fast sofort erkennbaren Gold- und Email-Dosen seiner Reifezeit verfolgen. Die hier zur Versteigerung kommende Dose vereinigt gleich meh - rere charakteristische Gestaltungselemente des Meisters, wie die monochrom emaillierten Medaillons, applizierte Flachreliefs oder das grau-weiss gesprenkelte Email, das sich beispielsweise in einer Dose im Pariser Louvre (Inv.-Nr. OA 2205) oder imMetropo - litan Museum (Inv.-Nr. 1976.155.20) wiederfindet. Eine Besonderheit stellen die rautenförmig angeordneten Haare im Innern der Dose dar, die der französischen Königin Marie-An - toinette zugeschrieben werden. Im 18. Jahrhundert war es eine geläufige Praxis, Tabakdosen zu bestimmten Anlässen und als besonderes Zeichen der Anerkennung und Freundschaft zu über - reichen. Es ist gemeinhin bekannt, dass Marie Antoinette solche Geschenke mit Strähnen ihrer Haare versehen liess, um der Ver - bundenheit, die ein solches Geschenk beglaubigte, Nachdruck zu verleihen. So finden sich etwa ein Schmuckmedaillon und ein Ring, in demHaare Marie-Antoinettes Verwendung gefunden haben, imMusée Carnavalet in Paris (Inv.-Nr. OM 1677 und Inv.-Nr. OM 3274), im British Museum und in Privatsammlungen. CHF 10 000 / 15 000 (€ 10 530 / 15 790)
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