Decorative Arts Donnerstag, 21. März 2024, 10.00 Uhr, Lot 1001– 1237
| 14 Decorative Arts | Antiken, Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber und Porzellan 1017 ÄUSSERST SELTENE EUCHARISTISCHE TAUBE Limoges, 1. Drittel 13. Jh. Getriebenes, graviertes und teilver- goldetes Kupfer mit polychromer Emaille-Champlevé in Form von Federn und geblümten Arabesken. Ziborium in Form einer Taube auf Rundsockel. Die Oberseite des Schwanzes, der runde Sockel sowie die seitlichen, beweglich befestigten Flügel aus dickem Kupfer mit Schmuckstein-Inkrustationen. Der Körper ruht auf zwei röhrenförmigen Beinen, die ohne Füsse direkt in einen flachen Rundsockel übergehen. Mit Griff versehener Klappdeckel (evtl. ersetzt) auf dem Rücken der Taube öffnend auf hohlen Hos- tienbehälter. 19,5 × 25 cm. Rundsockel wohl aus der Zeit, aber assortiert. Linker Flügel mit fehlenden Schmucksteinen und Ausbruch am Schmuckband. Rechter Flügel mit fehlendem Schmuckstein, ein Schmuckstein stark bestossen. Flügelbefestigungen teils gebrochen und mit Draht repariert. Delle am Kopf der Taube, die Emaillierung der Augen verloren. Provenienz: Schweizer Einlieferung. Diese Limoges Tauben, in der französischen Fachliteratur als ‘colombe eucharistique’ bezeichnet, dienten in der eucharisti- schen Zeremonie als Aufbewahrungsgerät der geweihten Hostie. Diese stellt als „Leib Christi“ das Allerheiligste imChristentum dar. Entsprechende Bedeutung kam und kommt demAufbewahruns- gefäss zu.. Die Taube steht, als Teil der göttlichen Trinität in der christlichen Lehre als Symbol für den Heiligen Geist. Sie gilt als Zeichen der Sanftmut und Unschuld. In den meisten Fällen ruhte die eucha- ristische Taube auf einer grösseren Platte, die mittels Ketten im Ziborium, welcher den Altar überspannte, aufgehängt war. Sie ersetzte damals den heutigen Tabernakel, der erst mit dem Konzil von Trient 1545-1563 eingeführt worden war. Eine vergleichende Einordnung unseres Exemplars sei hier anhand der in den bekanntesten Museen der Welt erhaltenen Exemp- laren versucht: Rijksmusem in Amsterdam (Inv.-Nr. BK-17205), Musée du Louvre in Paris (Inv.-Nr. OA 8104), Museum of Fine Arts Boston (Inv.-Nr. 49.1075), Metropolitan MuseumNew York (Inv.-Nr. 49.1075), Musée du Cluny Paris (Inv.-Nr. CL. 1957). Der Sockel bzw. die Platte, an welcher die Ketten zur Hängung montiert waren, sind wie bei unserer Taube bei manchen Exemp- laren verloren, so bei den Beispielen im Louvre, imMusée de Cluny sowie dem Beispiel in Boston. Hingegen steht die Taube im Rijksmuseum auf einem rechteckigen, mit Zinnenrand versehe- nen Untersatz, während das Exemplar imMetropolitan Museum auf einem runden Sockel ruht, dessen Ecken langförmig nach oben gezogen sind, an denen die Ketten befestigt waren. Grundsätzlich können die überlieferten ‘colombes’ in zwei Typen unterteilt werden. Diese unterscheiden sich hauptsächlich in der Art des Zugangs zumGefäss. Einige sind, wie die hier angebo-
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