IMPRESSIONISMUS & MODERNE 21. JUNI 2024
3262* GERMAINE RICHIER (Grans 1902–1959 Montpellier) Sava Alexandra. 1944. Bronze, braune Patina. Hinten links unten signiert: G. Richier. H 83 cm. Provenienz: - Otto Charles Bänninger, Zürich. - Schweizer Sammlung, am 31.12.1958 bei Obigem erworben. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs emigriert Germaine Richier gemeinsam mit ihrem Schweizer Ehemann Otto Bänninger nach Zürich. Dieser Schritt, der einen Bruch in ihrer aufstrebenden Karriere markiert, hat einen tiefgreifenden Einfluss auf ihr weiteres Schaffen. Von 1943 bis 1945 lehrt sie zusammen mit Marino Marini und Fritz Wotruba an der Ge- werbeschule in Winterthur und prägt somit als Lehrerin eine ganze Gene- ration von Schweizer Bildhauerinnen und Bildhauern. Bereits in ihren frühen Werken, die stark von den Techniken und Lehrme- thoden ihres Meisters Antoine Bourdelle geprägt sind, widmet sich Richier der Büste. Während ihres Aufenthalts in Zürich bleibt sie diesem Thema zwar treu, verwirft jedoch sämtliche frühere Ansätze. Sie wendet sich ei- nem fantastischen Realismus zu, sowohl inhaltlich als auch formal. Dabei perfektioniert sie zunehmend die Verwendung von Metamorphose als zentrales Thema und künstlerische Methode. Die vorliegende Büste der "Sava Alexandra" ist ein herausragendes Bei- spiel für die Transformation in Richiers Werk. Bereits hier beginnt sie, die überlangen Proportionen einzubeziehen, die sie in ihrem Spätwerk weiter ausreizen wird. In Verbindung mit der strukturierten, spachtelähnlichen Oberfläche erhält die Skulptur eine zeitlose Eleganz. "Sava Alexandra" symbolisiert den Übergang von Jugend zur Reife und deu- tet gleichzeitig Richiers neue ästhetische Ausrichtung an, die die Welten des Tieres, des Menschen und der Pflanze miteinander verbindet. Durch ihre ausdrucksstarke Haltung fesselt "Sava Alexandra" den Betrachtenden sofort und ermöglicht einen Blick in die Tiefen der menschlichen Seele. Ihre Präsenz und ihre kraftvolle Ausstrahlung machen sie zu einem faszi- nierenden Beispiel für Richiers einzigartiges künstlerisches Talent und ihre Fähigkeit, universelle Themen durch die Sprache der Kunst zu vermitteln. CHF 50 000/80 000 (€ 51 000/81 600) 82
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