POSTWAR & CONTEMPORARY 20. JUNI 2024

3433 JOHN M. ARMLEDER (Genf 1948–lebt und arbeitet in Genf) Touch. 2016. Acryl auf Leinwand. Verso signiert, betitelt, datiert und mit Richtungspfeilen: John Armleder 2016 TOUCH. 160 × 225 cm. Provenienz: - Künstlerstudio. - Privatsammlung Schweiz, direkt vom Künstler 2016 erworben. John Michael Armleder gehört zu den einflussreichsten eu- ropäischen Konzept- und Aktionskünstlern der Gegenwart. Sein ungewöhnliches und zugleich innovatives Werk ist heute unverkennbar. Sein breitgefächertes Schaffen, dem das abstrakte Formenvokabular der Moderne zugrunde liegt, beinhaltet Malerei, Zeichnung, Multiples, Skulpturen, Installationen, Videos und Performance. Armleder ist be- kannt für seinen Widerstand gegenüber jeglicher Etikettie- rung und lehnt die Vorstellung ab, dass man ihn und seine Kunst einordnen könne. Daraus resultiert eine intermediäre Kunst, die ständig in einem fluiden Übergang zum Design, der Architektur, sowie der Pop-, Hoch- und Alltagskultur ist. Die zwei zur Auktion kommenden Gemälde "CYLINDER" aus dem Jahr 2021 (Los 3432) und "Touch" aus dem Jahr 2016 (Los 3433) könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Anwendung der Farbe, die Komposition sowie Armleders künstlerische Herangehensweise sind vollkommen kont- rär, dennoch pflegt er diese zwei unterschiedlichen Werk- serien durch die letzten Jahrzehnte hindurch. Die Gemein- samkeit, dass Armleders Kunst die Tiefe der Oberfläche zu relativieren versucht, ist in beiden Arbeiten zu erkennen. Das Werk "Touch" aus dem Jahr 2016 spiegelt Armleders Neominimalismus wider, auch Neo-Geometrie (Neo-Geo) genannt. In Folge der Op-Art und der geometrischen Ab- straktion suchen die Künstler des Neo-Geo-Stromes eine aktualisierte, amorphe Form der bisher bekannten abstrak- ten Bildersprache. Auf einemmonochromen silbernen Hin- tergrund reihen sich uniforme Kreise, die zueinander ver- setzt die Leinwand bestücken. Je nach Lichteinstrahlung scheint der schimmernde Farbverlauf von Rosa zu Weiss spielerisch in Bewegung zu sein. John Armleder hat auf der Rückseite unterschiedliche Richtungspfeile gezeichnet, die darauf hinweisen, dass die Leinwand sowohl horizontal als auch vertikal gehängt werden kann. Die Arbeit "CYLINDER" hingegen gehört zu der kontinu- ierlich fortgesetzten Serie der "Pour-Paintings", die John Armleder bereits in den 80er Jahren für sich entdeckt. In ihr werden seine zentralen Anliegen der Verweigerung des Konkreten und Festlegbaren sowie die Suche nach dem Prozesshaften deutlich. Auf weisse Leinwände schüttet Armleder flächenweise bunte Farbtöpfe aus Acryl, Öl, Lack oder Emaille und bestaubt bestimmte noch nicht getrock- nete Flächen mit Glitzerpartikeln oder Pigmentpulver. Das Spielerische, die Einbeziehung des Zufalls, des Subversi- ven und Ungeplanten sind letztlich die wesentlichen Ele- mente des Kunstverständnisses John Armleders. CHF 40 000/50 000 (€ 40 820/51 020) 36

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