GRAFIK & MULTIPLES 20. JUNI 2024

"Nel blu, dipinto di blu" – ob Domenico Modugno Yves Kleins Aus- stellung in der Mailänder Galleria Apollinaire im Januar 1957 und seine dort gezeigten elf Monochrome gesehen hat, bevor er 1958 auf dem Festival San Remo vom Fliegen durch das endlose, wie gemalte Blau singt, bleibt ein Geheimnis der Vergangenheit. Be- trachtet man Yves Kleins monochrom blauen Arbeiten, getaucht in das von ihm entwickelte IKB, das International Klein Blue, tritt aber genau der besungene Zustand ein: Durch den geschickten Farbauftrag und das von Klein neu ausgetüftelte Bindemittel liegt das Ultramarinpigment pudrig und mit enormer Farbtiefe auf dem Bildträger und verursacht eine Sogwirkung, die die Betrachtenden scheinbar ins Blaue hineinzieht. Eine ganz ähnliche Wirkung zeigt sich bei dem Beistelltisch "Table IKB" (Los 3721). Diese Auflagen- arbeit wird seit 1963 unter der Schirmherrschaft von Kleins Witwe Rotraut Moquay-Klein und den Yves Klein archives in einer jährli- chen kleinen Stückzahl produziert. Die Optik orientiert sich an den beiden Originalen aus Yves Kleins Hand, die er noch vor seinem Tod in 1961 entwirft. Der Beistelltisch wird in drei Versionen her- ausgegegeben: IKB, Monopink und Monogold. Bei den Versionen IKB und Monopink (Los 3722) scheint das Pigment pudrig lose in der flachen Box aus Glas und Plexiglas zu ruhen, die als Tisch- platte fungiert. Die für Yves Kleins Werke typische Sogwirkung entsteht auch beim Blick in diese farbigen Tiefen, während das Auge aber beim Blick ganz aus der Nähe auch die Oberfläche des Pigments abtastet, als sei es auf der Suche nach geografischen Landmarken. Die Variante Monogold (Los 3733) hat ergänzend zu den beiden Pigmenttischen ihren ganz eigenen Reiz: Im Inneren des Glaskastens scheint die Schwerkraft wie aufgehoben und das Licht flirrt zwischen zartestem Blattgold, das teils wie schwerelos eingefangen zu sein scheint. Bei der Kombination aller drei Varian- ten des Beistelltisches am gleichen Ort, lassen sich Verbindungen zu Kleins früheren Arbeiten ziehen: So bringt er schon 1961, im gleichen Jahr des Entwurfs für die ersten beiden Tische, in seiner Arbeit "Ex-Voto zu Ehren der Heiligen Rita von Cascia" die beiden Pigmente sowie Blattgold in einer ähnlichen Plexiglas-Konstruktion in Verbindung und mag damit den Grundstein gelegt haben für die- se Auflagenarbeit. In Table IKB, Monopink und Monogold vereint sich Kunst mit Design, musealer mit privatem Raum sowie Exklu- sivität mit Alltagsgegenstand. Als ausgefallene Multiples mit ihrer ganz eigenen Geschichte bereichern diese drei Beistelltische je- des moderne Einrichtungskonzept, sowohl einzeln als auch in der sehr seltenen Kombination aller drei Varianten. 92

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