GEMÄLDE ALTER MEISTER 20. SEPTEMBER 2024
3068 JACOB TOORENVLIET (1635 Leiden 1719) Demokrit. 1676. Öl auf Kupfer. Oben links signiert und datiert: J.Toorenvliet F. Ao. 1676. 28,2 × 22,4 cm. Provenienz: - Kunsthandel Hans Trainé, Zürich. - Europäische Privatsammlung. Literatur: Susanne Henriette Karau: Leben und Werk des Leidener Malers Jacob Toorenvliet (1640-1719), Diss., Univ., Berlin 2002, Bd. I, S. 133 und 140–141, Bd. II, S. 29, Nr. A75. Eine Frau mit Krug trifft auf Demokrit in seinem Studierzim- mer, um ihm ein Glas Wein zu servieren. Die grüne Farbe des Vorhangs auf der rechten Seite setzt das Rot des Wei- nes durch die Gegenüberstellung dieser beiden Komple- mentärfarben eindrücklich in Szene. Vor dieser willkomme- nen Unterbrechung war Demokrit in seine Studien vertieft, was der Globus und das grosse Manuskript im Bildvorder- grund verdeutlichen. Sein linker Zeigefinger weist auf den Globus unter ihm, auf dem die Karte Italiens abgebildet ist. Genauer gesagt, befindet sich die Fingerspitze über ROMA, der Ewigen Stadt, dem Pilgerziel aller niederlän- dischen Lehrlinge, die sich als Künstler etablieren wollten. Als wolle er einen Toast aussprechen, blickt er mit sinnlich geöffnetem Mund in Richtung der Frau. Der 1640 in Leiden als Sohn eines Glasmalers und Zeich- ners geborene Jacob Toorenvliet erhielt seine Ausbildung zum Maler bis 1659 bei seinem Onkel Gerard Dou (1613– 1675). Dieser zählt als Hauptvertreter zu der Schule der "Fijnschilders", die sich durch einen besonders feinen Mal- stil auszeichnen, wie dies auch bei diesem Gemälde von Troorenvliet zu bemerken ist. Toorenvliet beendete seine Ausbildung als Maler mit ei- ner "Grand Tour", einer Reise nach Italien, wo er Rom und Venedig besuchte – jene Ziele, auf die Demokrit in diesem Gemälde deutet. Im Anschluss hielt er sich einige Jahre in Wien auf, bevor er 1679 in seine Heimat zurückkehrte und schliesslich in Leiden und Amsterdam tätig war. Dieses prächtige, in Öl auf Kupfer ausgeführte Gemälde darf als ein Glanzstück imWerk von Jacob van Toorenvliet bezeich- net werden, das er in der oberen linken Ecke mit seiner Si- gnatur und dem Datum 1676 versehen hat. Das Gemälde entstand, als er sich noch in Italien aufhielt, kurz vor seiner Abreise nach Wien. Mit dem Gemälde einer berühmten antiken Figur, dem De- mokrit, hebt sich Toorenvliet von seinen üblichen Genre- darstellungen ab, wie beispielsweise "Alter Mann und Frau an einem Gemüsestand" (Nr. 258046, RKD, Den Haag). Das vorliegende Werk gehört zu einer Reihe antiker Philo- sophen. Neben Demokrit, dem "lachenden Philosophen", malte Toorenvliet auch ein Gegenstück, das dessen Phi- losophenkollegen Heraklit, den "weinenden Philosophen", zeigt (Karau 2002, Bd. II, S. 28, Nr. A74). Auch Diogenes findet sich im Œuvre von Toorenvliet dargestellt, wie bei- spielsweise das Gemälde des Philosophen auf dem Athe- ner Markt von 1673 belegt (Nr. 240276, RKD, Den Haag). Diese Beispiele zeigen, dass der in Leiden geborene Ma- ler sich sehr für Historienmalerei interessierte und sein Wissen über das klassische Altertum unter Beweis stellen wollte. Auf diesem Gemälde wird Demokrit nicht lachend darge- stellt, wie sonst üblich, sondern eher erfreut über die Ges- te der herantretenden Frau, die ihm den Wein serviert hat. Das Erheben des Glases darf dahingehend verstanden werden, dass für ihn zu einer heiteren Weltanschauung als Lebensgeniesser auch das Trinken eines köstlichen italie- nischen Weines gehört. CHF 7 000/10 000 (€ 7 370/10 530) 104
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