GEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS 28. MÄRZ 2025
3220* CARL SPITZWEG (1808 München 1885) Mädchen im Walde auf einem Bachsteg. Um 1875–80. Öl auf Malkarton. 34 × 24 cm. Provenienz: Europäische Privatsammlung. Literatur: Siegfried Wichmann: Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke - Gemälde und Aquarelle, Stuttgart 2002, S. 507, Nr. 1385 (mit Abb.). Es handelt sich um eine für Spitzweg charakteristische Waldlandschaft, die er uns in diesem Gemälde eröffnet: Ein verwunschener felsiger Pfad schlängelt sich von links aus dem Wald herab und führt auf eine beschauliche Lichtung, die von einem kleinen Bach durchquert wird, der dem Betrachter entgegenfliesst. Die behelfsmässig über das Wässerlein gelegte Holzplanke dient als Brücke und zeigt uns, dass dieser Waldweg nur selten begangen wird und wenn, dann nur zu Fuss. Inmitten dieses Idylls finden wir eine Sennerin, die zwei Körbe mit sich trägt und im Begriff ist, auf der Planke den Bach zu überqueren. Zentral im Bild eröffnet sich uns ein Loch im Laubwerk des Waldes, das den Blick auf eine sonnenbeschienene Bergkirche unter blauem Himmel freigibt. Das Bild vereint typische Elemente der Landschaftsmalerei Spitzwegs. Die Sennerin mit ihrem rot-blauen Rock und der weissen Bluse, der felsige Waldpfad, das Himmels- loch im Blätterdach und die flackernde Farbigkeit der breiten Pinselstriche lassen sich in manchem Bild des Meisters wiederfinden. Motiv, Farbgebung und Ausarbeitung dieses Werkes finden ihre Vorbilder in der Malerei der Schule von Barbizon - Narcisse Diaz de la Peña (1807–1876) oder Théodore Rousseau (1812–1867) kommen in den Sinn - derenWerke Spitzweg auf der “1. Internationalen Kunst- ausstellung” im Münchner Glaspalast 1869 studiert haben dürfte. Auch die Barbizonisten staffierten ihre Landschaften mit Frauenfiguren aus, meist mit Hirtinnen oder Reisig- sammlerinnen. In dem hier von Carl Spitzweg gezeigten alltäglichen Motiv schwingen romantische Vorstellungen mit: Die Sennerin, in ihrer Existenz dem göttlichen Ursprung nicht entfremdet, steht im Einklang mit der Natur. Sie verkörpert die Utopie eines einfachen, gesunden und harmonischen Lebens. Das charakterisiert dieses Meisterwerk Spitzwegs, das sich im Spannungsfeld zwischen Romantik und Pleinair-Naturalismus bewegt. CHF 40 000/60 000 (€ 42 550/63 830) 134
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