GEMÄLDE ALTER MEISTER 28. MÄRZ 2025
3007 NIEDERLÄNDISCHE SCHULE, um 1530 Bildnis eines Apothekers. Öl auf Holz. Unten mittig bezeichnet: AE(ligiert)TATIS SUE, 43°. 81,8 × 32,2 cm. Provenienz: - Sammlung James-Alexandre de Pourtalès, Comte de Pourtalès- Gorgier (1776–1855), Paris. - Auktion Galerie Pourtalès, Paris, 31.3–1.4.1865, Los 163 (als Hans Holbein d. J.). - Sammlung Jacques Normand. - Auktion Drouot, Paris, Sammlung Normand, 7.3.1923, Los 21 (als Schule von Hans Holbein d. J.). - Wohl Kunsthandel Jacques Seligmann, Paris (als Deutsche Schule, 16. Jh.). - Sammlung Eugène Pelletier, Paris, um 1930. - Auktion Drouot, Paris, 3.12.1930, Los 7 (Josse van Cleve, zuge- schrieben (Gegenstück zu Los 8)). - Kunsthandel, Galerie Popoff et Cie, Paris, bis 1936. - Sammlung Lielchenfeld, New York, um 1947. - Sammlung Idda-Marie Rossi. - Schweizer Privatsammlung. Ausstellung: Amsterdam 1936, Oude kunst uit het bezit van den internationale handel, Rijksmuseum, Juni–August 1936, Nr. 23, als Bartholomäus Bruyn. Literatur: - Eugène-Humbert Guitard: Gazette in: Bulletin de la Société d'histoire de la pharmacie 11, Nr. 38, 1923, S. 218 (als Holbein, Schule). - Un Tableau Médical de Van Schorel, in: Aesculape 13, 1923, S. 168 (als Jan van Scorel). - Auss.-Kat. Oude kunst uit het bezit van den internationale handel, Rijksmuseum, Amsterdam 1936, Nr. 23 (als Bartholomäus Bruyn). - Camille Larraz und Rafaël Villa: Portraits du Maître de Dinteville, Mailand 2023, S. 65-68, Abb. 43 (als Niederländische Schule um 1530). Dieses Bildnis eines Apothekers gehört zu jenen faszinierenden Rätseln der Kunstgeschichte, die noch zu lösen sind. Das Gemälde war ursprünglich Teil eines Doppelporträts auf dem neben unserem Apotheker auch ein Arzt dargestellt war. Es zeigte die beiden Heiligen Cosmas und Damian, die Schutzpatrone der Chirurgen und Apotheker. Die Zuordnung zu den Gesundheitsberufen ist offensichtlich. In unserem Gemälde hält der Apotheker einen Löffel in der Hand und daneben steht ein Topf, auf dem "RUBEA FEBRILIS" zu lesen ist, was mit "rotes Fieber" übersetzt werden kann. Das verlorene Pendant zeigt ein Harnglas in der rechten Hand des Arztes. Diese Elemente wurden in der Renaissance häufig zu medizinischen Zwecken verwendet. Die Identität der beiden Mediziner bleibt jedoch ungeklärt, obwohl die Wappen mit drei goldenen Sternen auf schwarzem Grund und drei Nelken auf goldenem Hintergrund auf einen Bezug der Darge- stellten zur französischen Familie Thoinnet hinweisen könnten. Die Feinheit und Individualität der Gesichter lassen darauf schliessen, dass es sich um Porträts für den privaten Bereich handelte. Es könnte jedoch auch sein, dass sie für eine medizinische Institution angefertigt wurden (siehe Larraz und Villa 2023, S. 68). Der Künstler hinter diesem qualitätsvollen Bildnis eines Apothekers bleibt ebenso rätselhaft. Im Verlauf der Kunstgeschichte wurde dieses Werk bereits Hans Holbein d. J. (1460–1524), Joos van Cleve (1485–1540), Jan van Scorel (1495–1562) oder dem Umfeld von Bartholomäus Bruyn (1493–1553) zugewiesen, allesamt Meister, die grösstenteils im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts in den Niederlanden tätig waren. Die aktuelle kunstwissenschaftliche Forschung geht davon aus, dass dieses Bild mit einem Künstler, der im Stile der Utrechter und Haarlemer Meister arbeitete, wie beispielsweise Jan van Scorel und Maarten van Heemskerck (1498–1574), in Verbindung gebracht werden kann. Dieser Künstler dürfte jedoch in Frankreich tätig gewesen sein, die Lichtführung und die Darstellungsweise des Inkarnats lassen zudem italienische Einflüsse erkennen. Der Urheber der vorliegenden Tafel könnte sich also auf der Rückkehr einer Künstlerreise nach Italien schliesslich in Frankreich nieder- gelassen und dort private Aufträge erfüllt haben (siehe Larraz und Villa 2023, S. 67 f.). CHF 10 000/15 000 (€ 10 640/15 960) 12
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