GEMÄLDE ALTER MEISTER 28. MÄRZ 2025
3008* LUCAS CRANACH d. J. (Wittenberg 1515–1586 Weimar) Der Apostel Paulus. 1547. Öl auf Holz. Unten rechts mit Schlangenmonogramm signiert und auf 1547 datiert. 20,7 × 14,9 cm. Provenienz: - Sammlung Marquesa Margaret Rockefeller de Larrain (1897–1985). - Auktion Sotheby's, New York, 8.1.1981, Los 105 (als Lucas Cranach d. Ä.). - Sammlung Ian Woodner (1903–1990). - Auktion Christie's, New York, 25.5.1999, Los 113 (als Lucas Cranach d. J.). - Privatsammlung. - Auktion Christie's, London, 9.7.2015, Los 32 (als Lucas Cranach d. J.). - Europäischer Privatbesitz. Die hier angebotene Darstellung des Heiligen Paulus gehört zu den qualitätsvollsten religiösen Arbeiten von Lucas Cranach d. J.. Die kleinformatige Tafel, die ursprüng- lich wohl als Auftrag für die private Andacht geschaffen wurde, besticht durch ihren exzellenten Erhaltungszustand und ihre ausdruckskräftige Farbigkeit. Cranach zeigt uns den Apostel Paulus, gekennzeichnet durch das Schwert seines Martyriums, auf einer steiner- nen Kanzel sitzend und im Begriff, seine Episteln nieder- zuschreiben. Rechts im Hintergrund eröffnet sich uns eine phantasievolle Felsenlandschaft, die in ihrer stilisti- schen und farblichen Ausführung ganz in der Tradition der Donauschule steht. Cranachs Meisterschaft und seine Liebe zum Detail offenbaren sich uns insbesondere in der feinen malerischen Ausgestaltung des Buches, des Schwertes sowie der Physiognomie, der Locken und des Bartes des Heiligen. Bei seiner Darstellung des Heiligen Paulus greift Cranach auf die Ikonographie des göttlich inspirierten Gelehrten, der in seine Schrift vertieft ist, zurück. Diese Bildtradition lässt sich auf Darstellungen in illuminierten Bibeln und Stundenbüchern zurückführen, in denen die Evangelien oftmals mit Miniaturen der entsprechenden Heiligen eingeleitet sind. Auch die zahlreichen Darstellungen des Heiligen Hieronymus als Gelehrten in seiner Studierstube, die im Deutschland des 15. und 16. Jahrhunderts insbe- sondere durch das Medium der Druckgrafik zu Weiterver- breitung und grosser Popularität fanden, dürften Cranach zu seiner Komposition in dem uns vorliegenden Werk beeinflusst haben. Tatsächlich waren auch Cranach und seine Werkstatt in der Buchillustration tätig und fertigten unter anderem Holzschnitte für eine Luther-Bibel an, die 1541 von Nicolas Wolrab herausgegeben wurde - nur sechs Jahre bevor unser Gemälde entstand. Den Römerbriefen des Paulus wurde in dieser Bibel ein Holzschnitt vorange- stellt, der den Apostel an seinem Schreibtisch zeigt und stilistisch und kompositorisch grosse Ähnlichkeiten mit dem vorliegenden Bild aufweist (siehe N. Wolrab, Leipzig 1541, Bd. 2). Unser Gemälde steht somit in seinem kleinen Massstab und in seiner minutiösen Ausführung in direkter Beziehung zur Buchillustration im 16. Jahrhundert. Auch aus religionspolitischer Sicht ist das vorliegende Werk äusserst spannend, so hatten die Paulusbriefe grossen Einfluss auf die Lehre Martin Luthers (1483– 1546). Im Vorwort zu seiner 1522 veröffentlichten Über- setzung des Neuen Testaments erklärte der Refor- mator, dass der Römerbrief des Heiligen Paulus "das rechte Hauptstück des Neuen Testaments und das allerlauterste Evangelium" sei. Lucas Cranach d. J. war, wie auch sein Vater Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553), mit Luther befreundet und gehörte zu einem engen Kreis von reformierten Humanisten in Wittenberg, die mit dem paulinischen Gedankengut vertraut gewesen sein dürften. Vor diesem Hintergrund ist das Gemälde des Apostel Paulus von Lucas Cranach d. J. entstanden, es gilt im Gesamtwerk des Künstlers als einzigartig und stellt ein besonderes künstlerisches Zeugnis der Reformationszeit dar. Dr. Michael Hofbauer bestätigt, dass es sich bei dem vorliegenden Werk um eine qualitätsvolle Darstellung des heiligen Paulus handelt, die in der Werkstatt von Lucas Cranach d. J. entstand und unterstreicht den sehr guten Erhaltungszustand des Bildes. Dr. Dieter Koepplin bestätigt ebenfalls die Eigenhändigkeit und betont die besonders hohe Qualität unseres Gemäldes. Er rückt das Bild zudem in die Nähe des Vaters Lucas Cranach d. Ä. und hält eine Beteiligung dessen an dem hier angebotenen Gemälde für durchaus möglich. CHF 170 000/250 000 (€ 180 850/265 960) 14
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