GEMÄLDE ALTER MEISTER 28. MÄRZ 2025

3001 GIOVANNI ANTONIO BOLTRAFFIO, zugeschrieben (1467 Mailand 1516) Bildnis einer Edeldame. Öl auf Holz. 35,7 × 29 cm. Provenienz: - Sammlung Palazzo Labia, Venedig. - Sammlung Hugo von Kilényi, Budapest. - Sammlung Conte Febo Borromeo d’Adda (1871–1945), Mailand. - Sammlung Schloss Rohoncz, Rechnitz. - Sammlung Heinrich Thyssen-Bornemisza (1875–1947), Lugano, Villa Favorita. - Sammlung Margit von Batthyány, geborene Thyssen- Bornemisza (1911–1989). - Durch Schenkung an heutigen Besitzer, Schweizer Privatbesitz. Ausstellung: München 1930, Sammlung Schloss Rohoncz. Gemälde, Neue Pinakothek. Literatur: - Auss.-Kat. Sammlung Schloss Rohoncz. Gemälde, von Rudolf Heinemann-Fleischmann herausgegeben, München 1930, S. 10, Nr. 30 (Abb. 87). - Bernard Berenson: Italian Pictures, Oxford 1932, S. 471 (als Ambrogio de Predis). - Rudolf Heinemann-Fleischmann: Stiftung Sammlung Schloss Rohoncz, Lugano-Castagnola, Villa Favorita, 1938, S. 15, Nr. 39 (als Boltraffio). - Benard Berenson: Italian Pictures of the Renaissance. Central Italian and North Italian School, Phaidon 1968, S. 108 (als Ambrogio De Predis). Dieses äusserst interessante Bildnis einer jungen Dame dürfte über mindestens einhundert Jahre nicht mehr auf dem Kunstmarkt angeboten gewesen sein und stellt eine Bereicherung für die Porträtmalerei der Renaissance dar. Lange Zeit galt es als eine eigenhändige Arbeit Giovanni Antonio Boltraffios, später dann als ein Werk seines Zeit- genossen Giovanni Ambrogio de Predis (1455–1509). Der heutige Kenntnisstand erlaubt eine Zuweisung unseres imposanten Bildnisses an die anonyme Persönlichkeit des "Pseudo Boltraffio", wie diesenMaria Teresa Fiorio genauer erläutert (siehe Maria Teresa Fiorio: Giovanni Antonio Boltraffio, un pittore milanese nel lume di Leonardo, Mailand/Rom 2000, S. 71-74). Eine Inschrift auf der Rückseite nennt die vermutliche Identität der dargestellten Edeldame, nämlich Valentina Balbiani, die Mutter von Vespasiano Gribaldi (1531–1623), dem Erzbischof von Wien. Diese Identifizierung basiert vermutlich auf den Initialen "V. B.", die der Maler in den beiden oberen Ecken hinterlassen hat. Diese vermeintli- che Identifizierung ist jedoch irreführend, da Vespasiano Gribaldi lange nach der Entstehung dieses Gemäldes geboren wurde. Dieses Gemälde ist ein qualitätsvolles Beispiel der lombardischen Porträtmalerei des 16. Jahrhunderts, das im Stil von Leonardo da Vinci (1452–1519) gemalt wurde. Es scheint stark von dessen berühmtem Werk "La Belle Ferronnière" inspiriert zu sein (Öl auf Holz, 63 × 45 cm, Paris, Louvre, Inv. Nr. INV 778; MR 317). In beidenGemälden stellen die Künstler die Figur vor einem schwarzen Hinter­ grund dar, was in der lombardischen Hofmalerei häufig vorkam. Allerdings haben sie sich dafür entschieden, die Figur in Dreivierteldrehung zu zeigen, wie es in dieser Zeit eher in der flämischen Malerei üblich war. Beide Modelle tragen ausserdem ein ähnliches elegantes rotes Kleid mit Verzierungen, wobei die Dame in dem hier angebotenen Porträt einen blauen Umhang auf der linken Schulter trägt. Ein weiteres vergleichbares Werk der lombardischen Kunstproduktion ist "Die Heilige Lucia" von Boltraffio, das sich imMuseo Thyssen-Bornemisza in Madrid befindet (Öl auf Holz, 51,5 × 36,5 cm, Inv. Nr. 52, 1934.44). Beide Damen zeigen ein ähnliches, ruhiges und ausdrucksloses Gesicht, mit feinen, hochgezogenen Augenbrauen und einem Blick, der direkt auf den Betrachter gerichtet ist. Beide Gemälde gehörten über viele Jahre hinweg den selben Sammlungen an. Sie waren Teil der Sammlung des Grafen Febo Borromeo (1871–1945) in Mailand, bevor sie in die Sammlung der Familie Thyssen-Bornemisza übergingen, deren Werke 1938 veröffentlicht wurden (siehe Rudolf Heinemann-Fleischmann). Diese Provenienz unterstreicht den aussergewöhnlichen Charakter dieses hier angebotenen, ausdrucksstarken Werkes. CHF 20 000/30 000 (€ 21 280/31 910) 2

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