GEMÄLDE ALTER MEISTER 28. MÄRZ 2025

3022 CLARA PEETERS (tätig 1607 Antwerpen bis/nach 1621) Stillleben mit Fischen, Garnelen und Austern. Öl auf Holz. 31,2 × 47 cm. Provenienz: - Bei W. E. Curtis, Picture Frame Gilder, Banbury, wohl zur Rahmung (verso mit Etikett). - Auktion Christie's, London, 6.4.1984, Los 1. - Europäische Privatsammlung. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Pamela Hibbs Decoteau: Clara Peeters 1594–ca. 1640 and the Development of Still Life Painting in Northern Europe, Lingen 1992, S. 8, 62, 185, Abb. 47 (als Umkreis). Nach dem Erfolg des Gemäldes mit einem Falken und weiteren Vögeln von Clara Peeters in der Septemberauktion 2024 freut es besonders, dass in der Frühjahrsauktion 2025 Koller Auktionen ein weiteres Stillleben der talentierten und einflussreichen flämischen Künstlerin zur Versteigerung bringen darf. Seit vierzig Jahren nicht mehr auf dem Markt angeboten, präsentiert dieses Stillleben auf einem Tisch einen Karpfen über den gekreuzt ein Hecht platziert ist, eine geschlossene und geöffnete Auster, drei Garnelen und dahinter eine Tonschale, auf der ein Metallsieb mit Salat und Frühlingszwiebeln sowie eine Schöpfkelle arrangiert sind. Bei den dargestellten Fischen und Krustentieren handelt es sich um Produkte aus den regionalen Gewässern der südlichen Niederlande, der Umgebung von Clara Peeters, die auf den Wochenmärkten auch lebendig angeboten wurden, so dass die Künstlerin diese naturnah studieren konnte. Die Komposition greift Elemente auf, die Clara Peeters in dem wohl frühesten datierten Fischstillleben der Kunstgeschichte von 1611 im Museo Nacional del Prado in Madrid auch einsetzt (Öl auf Holz, 50 × 72 cm, signiert und datiert 1611, Inv. Nr. P1621) und zwar die überkreuzten Fische im Vordergrund, das Metallsieb und die Schöpfkelle sowie die Tonschale und die Garnelen. Die Spiegelungen der Schöpfkelle auf demMetallsieb, wie sie bei unserem Stillleben deutlich sichtbar sind, zeigen Peeters Vorliebe für Lichtreflektionen und Darstellungen von unterschiedlicher Stofflichkeit der einzelnen Materialien. Diese Reflektionen finden sich auch in ihrem Fischstillleben im Koninklijk Museum voor Schone Kunsten in Antwerpen (Öl auf Holz, 37,7 × 9,9 cm, signiert, Inv. Nr. 834). Dort lässt sich auch die Transparenz der Panzerober- fläche der Garnelen feststellen, die aufgrund ihrer roten Farbe gekocht sein dürften. Diese sind stilistisch mit der Darstellung der Krustentiere in dem hier angebotenen Stillleben eng verwandt. Stilistisch und kompositorisch ähnelt dieses Stillleben auch dem fast gleich grossen Gemälde auf Holz von Clara Peeters im Philadelphia Museum of Art - John G. Johnson Collection (Öl auf Holz, 35,2 × 48,3 cm, Inv. Nr. 647), in dem ebenfalls überkreuzt lie- gende Fische, ein Tongefäss, Austern und gekochte Garnelen auf einer Tischplatte ausgelegt sind. Pamela Hibbs Decoteau führt anhand von Fotografien in ihrer Publikation von 1992 das Gemälde unter Werken aus dem Umkreis der Künstlerin auf. Für Dr. Fred G. Meijer besteht allerdings kein Zweifel an der Eigenhändigkeit von Clara Peeters. Er hebt her- vor, dass die künstlerische Umsetzung von hohem Niveau ist und dem Standard der Künstlerin entspricht. Technologische Untersuchungen haben ebenfalls die qualitätsvolle Umsetzung der Malerei bestätigt. Zeitlich verortet Meijer das Gemälde in die frühe Schaffensphase von Peeters um 1611 und somit in jene Zeit, in die das Prado Fischstillleben datiert ist. Über das Lebenunddie künstlerischeAusbildung von Clara Peeters ist wenig bekannt. Entsprechend erfolgt die chronologische Einstufung ihrer Werke auf der Grundlage stilistischer Merkmale, einige Holztafeln sind mit der Brandmarke der Stadt Antwerpen versehen und lassen somit von ihrer dortigen Tätigkeit ausgehen. Ob sie Mitglied der Lukasgilde war, ist nicht belegt. Aber wie Pamela Hibbs Decoteau vermerkt, sind die Listen in besagtem Zeitraum von 1607–1628 auch unvollständig (ebd. S. 9). Peeters spezialisierte sich auf Stilllebenmalerei und gilt als Pionierin einiger spezifischen Gattungen. So prägte sie das Jagdstillleben, wie dasjenige mit dem Falken und anderen Vögeln, das im September 2024 bei Koller versteigert wurde, oder das hier angebotene Fisch- stilleben um 1610. Datierte Werke aus ihrem bekannten Oeuvre reichen von 1607/1609 bis 1621. Insgesamt sind 39 signierte Werke der Künstlerin bekannt, das Gesamtoeuvre erweist sich aber als weitaus umfangreicher – siehe auch die Auflistungen der eigenhändigen Werke im RKD, Den Haag und in der Literatur (Hibbs Decoteau, S. 178–182; Adriaan van der Willigen und Fred G. Meijer: A Dictionary of Dutch and Flemish Still-life Painters Working in Oils, 1525–1725, Leiden 2003, S. 158–159; Ausst.-Kat. The Art of Clara Peeters, hrsg. von Alejandro Vergara, Museo Nacional del Prado, Madrid, 2016, S. 14). Wir danken Dr. Fred G. Meijer für seine wissenschaftliche Unterstützung bei der Katalogisierung. Das Gemälde ist als ein eigenhändiges Werk von Clara Peeters im RKD, Den Haag unter der Nummer 21753 archiviert. CHF 70 000/100 000 (€ 74 470/106 380) 32

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