GEMÄLDE ALTER MEISTER 28. MÄRZ 2025

3036 ISAAC SOREAU (1604 Hanau am Main um 1645) Früchtestillleben mit Trauben auf einem Zinnteller sowie Apriko- sen, Kirschen und Nüssen auf einem Tisch. Um 1640. Öl auf Holz. 53,2 × 73 cm. Gutachten: Prof. Dr. Gerhard Bott, 6.2.2012 (in Kopie vorhanden). Provenienz: - Alte Sammlung, 1777, Nr. 65 (verso mit Etikett). - Sammlung Schulthess, Basel. - Sammlung Pierre Pobé, Basel, bis 1979. - Auktion Sammlung Pierre Pobé, Auctiones AG, Basel, 23.2.1979, Los 30. - Europäische Privatsammlung. Literatur: - Gerhard Bott: Stillebenmaler des 17. Jahrhunderts, 1961/62, Kunst in Hessen, S. 27 ff. - Gerhard Bott: Die Stillebenmaler Soreau, Binoit, Codino und Marrell in Hanau und Frankfurt 1600-1650, Hanau 2001, Nr. IS.8, S. 174. Man möchte sie vom Zinnteller nehmen, die prallen, glänzenden Trauben und hineinbeissen. Isaac Soreau täuscht unsere Wahrnehmung mit dem verblüffenden Naturalismus der gemalten Früchte des hier angebotenen Stilllebens. Wie er ihre Formen durch subtilste Farbabstufungen modelliert und gezielt beleuchten lässt, wie die Oberflächen matt schimmern, welche Effekte er mit Schatten und Spiegelungen erzielt – das zeugt von einer Meisterschaft, die seine Gemälde zu musealen Kostbarkeiten machen. Das Historische Museum Schloss Philippsruhe in Hanau nahe Frankfurt/M. erwarb im Jahr 2010 sein 1645 entstande- nes Gemälde "Früchtekörbe, Früchteschale, Porzellankumme, Blumenvase und Gemüse" und sicherte sich so eines der wenigen erhaltenen Werke des berühmten Bürgers dieser Stadt. Aber was macht ein Stilllebenmaler des 17. Jahrhunderts mit französischem Namen in Hanau? Isaac Soreau ist Nachfahre wallonischer Protestanten aus dem Gebiet des heutigen Belgien. Seine Familie, ursprünglich Händler, hatte den damaligen Spanischen Niederlanden infolge der Glaubenskriege den Rücken gekehrt und sich in Hanau niedergelassen. Isaac Soreaus Vater Daniel (1560–1619), selbst Stilllebenmaler, von dessen Wirken sich leider praktisch nichts erhalten hat, unterrichtete nicht nur Isaac und dessen Zwillingsbruder Peter (1604–1672), sondern auch den Strassburger Sebastian Stosskopf (1597–1657), der das Atelier seines Lehrmeisters übernehmen und es zum bedeu- tenden Maler bringen sollte. Peter Binoit (1590–1632), selbst ein wichtiger Vertreter der Stilllebenmalerei, heiratete in die Familie der Soreaus ein. Dass die Soreaus sich in der hessischen Klein- stadt wieder fanden, war dem klugen wirtschaftlichen Kalkül des dort regierenden Grafen Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzen- berg (1576–1612) zu verdanken. Dieser betrieb nämlich die aktive Ansiedlung protestantischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und den Provinzen der Spanischen Niederlande. Viele dieser Auswanderer waren hoch spezialisierte Handwerker und reiche 52

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