DECORATIVE ARTS 27. MÄRZ 2025
1109* ♣ KAMINPENDULE "L'AMOUR TRIOMPHE SUR LE TEMPS" Louis XIV, Paris um 1720/25. Entwurf von André-Charles Boulle (1642–1732), das Werk signiert Hiérosme Martinot A Paris Ordinaire du Roy (1671–1725) sowie nummeriert 41 N. Holzgehäuse teils geschwärzt sowie mit dunkel und blau unterlegtem Schildpatt bzw. Horn, eingelegt mit graviertem Messing in Form von Blatt- und Rankenwerk. Geschweiftes und im oberen Drittel stark eingezogenes Gehäuse, sog. "tête de poupée", auf sich verjüngen- den Pilasterbeinen und gedrückten Bronzefüssen mit Blattdekor und Godrons. Fein gravierte und vergoldete Bronzebeschläge in Form von Friesen und Akanthusblättern. Auf der Figur thronend die Figur Amors, der über den im Sockelbereich liegenden Chronos triumphiert. Die beiden Figuren von François Girardon (1628–1715). Reliefiertes, vergoldetes Bronzezifferblatt (wohl spätere Zufügung) mit weissen Emaille-Kartuschen. Werk umgebaut auf Hakengang und Halbstundenschlag auf Glocke. 48 × 25,5 × 97 cm. Diverse Restaurierungen, auch innen. Binnengravierungen teils ausge- dünnt. Spätere Ergänzungen an den Bronzen wie Sense und Teile des Zifferblattes. Eine eigenhändige Skizze im Musée des Arts Décoratifs in Paris (Inv.-Nr. 723 D6) belegt die Urheberschaft André-Charles Boulle für diesesModell, das als eines seiner ersten und auch bekanntesten Modelle gilt (Hans Ottomeyer/Peter Pröschel: Vergoldete Bronzen. München 1986, Bd. 1, S. 38, Nr. 1.2.1). Die Bronzefiguren des Amorknaben, welcher Chronos die Sense entrissen und somit die Zeit bzw. den Tod besiegt hat sowie die- jenige des am Boden liegenden Chronos mit einem Waagbalken, der für einen geregelten Fortgang der Zeit steht, sind die gängigen Motive. Die Pendule ist Teil der bedeutendsten Sammlungen, wobei sich diese jeweils in Details sowie in den verwendeten Uhrwerken unterscheiden. Die Hauptunterschiede bestehen dabei in der Gestaltung des Sockels (abgesehen von den beiden Hauptfiguren Chronos und Amor) und dem verwendeten Bronzeschmuck sowie der Art der Marketerie. Kennzeich- nend für unsere Pendule sind die seitlich des Zifferblattes angebrach- ten, geschweiften Akanthusblätter, das über den Sockel drapierte Tuch sowie die markanten Pilasterfüsse, womit sie die grösste Übereinstim- mung mit dem Modell im J. Paul Getty Museum, Los Angeles (Inv.-Nr. 72.DB.55) aufweist. Das Werk dieser Pendule ist signiert von Paul Gudin. (Vgl. Hans Ottomeyer/Peter Pröschel: Vergoldete Bronzen. München 1986, Bd. 1, S. 40, Nr. 1.2.5). An selber Stelle ebenfalls abgebildet die Ver- sionen aus Waddesdon Manor sowie aus der Wallace Collection, wel- che sich neben der unterschiedlichen Sockelgestaltung insbesondere durch seitlich vom Zifferblatt angebrachte Frauenmasken unterscheiden (Ebd. Nr. 1.2.3 sowie 1.2.4). Für eine weitere, im Aufsatz sowie Sockelbe- reich wesentlich abgewandelte Form siehe: Jean Nérée Ronfort: André Charles Boulle 1642–1732 A New Style for Europe. Paris 2009, S. 220f. Das Werk jener Uhr stammt von Thuret in Paris und wurde hergestellt für den Herzog Johann-Wilhelm von Bayern-Neuburg (1658–1716). Aus- und Einfuhr CITES vorhanden. CHF 35 000/60 000 (€ 37 230/63 830)
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