DECORATIVE ARTS 27. MÄRZ 2025

terie waren Fauchon bzw. Béranger, welche von ca. 1900–1920 für die Firma tätig waren. Ganz allgemein zeigt sich an diesem Beistelltisch die Arbeitsaufteilung und das Mitwirken verschie- denster Spezialisten in der Werkstatt von François Linke. Christo- pher Payne erwähnt in seiner Monografie zu Linke Drouin unter Mithilfe von Valadier, Champagne und Goujon als Urheber für die qualitätsvollen Bronzeapplikationen; Komarek, Finck, Marseiller und Toulang waren hingegen für die Holzkonstruktion des Tisch- chens verantwortlich (Christopher Payne: François Linke. The Belle Epoque of French Furniture. England 2003, S. 138). Selbst die sog. "Piqués", die Stichvorlagen für die Intarsienhersteller, wurden von Payne aufgedeckt. Sie befanden sich im Besitz der Familie Immauville in Paris und zeigen die hohe Komplexität des Intarsienbilds (Ebd. Anhang, S. 377). Aus Christopher Paynes Monografie zu Linke erfahren wir weiter, dass der als "table à ouvrage" bezeichnete Möbel mit der Index- Nr. 554 an der Pariser Weltausstellung 1900 guten Absatz fand. Das Modell war so beliebt, dass Linke zwischen 1900 und 1939 mindestens 21 Exemplare herstellte. Ein wichtiger Hinweis zur Datierung unseres Tisches entnehmen wir ebenfalls aus Linkes Register, da im Jahre 1907 die Produktionskosten von ursprüng- lich 860 Francs auf 587,80 reduziert wurden (Ebd. S. 138). Grund dafür war das Weglassen der Schwanenmarketerie ab 1907. Auf- grund der vorhandenen Schwanenmarketerie an unserem Tisch können wir davon ausgehen, dass das Produktionsjahr zwischen 1900–1907 liegt. Ziertische des gleichen Modells wurden unter anderem auf fol- genden Auktionen höchsterfolgreich verkauft: - Auktion Artcurial Paris, 15.12.2009, Lot 146. - Auktion Sotheby’s Paris, 9. 4.2019, Lot 177 (direkt aus dem Nachlass von François Linke). - Auktion Sotheby’s Paris, 25.6.2019, Lot 30. - Auktion Sotheby’s Paris, 19.11.2020, Lot 178. CHF 28 000/38 000 (€ 29 790/40 430) 1244 ZIERTISCH, SOG. "TABLE À OUVRAGE" Von François Linke (1855–1946). Paris, 1900–1907. Auf dem Schloss und einer Bronze signiert F. Linke. Veilchenholz, Satiné, Buche und andere teils getönte Hölzer ein- gelegt in aufwändig geschwungenen Reserven und Filets. Das Blatt intrikat eingelegt in Form einer Muschel, Astwerk und Volu- tengitter. Innen eingelegt mit einer Parklandschaft, schwimmen- dem Schwan, Schilf und Architekturelement. Ausgeschnittenes Blatt in Messinggalerie gefasst auf ausgeschnittener Zarge mit drei geschwungenen Säbelbeinen mit Sabots. Das Blatt öffnend auf ein Fach mit geschwungener Fächereinteilung (ergänzt). Ver- goldete Bronzeapplikationen in Form von Blumen, Blättern und Voluten. Fein gravierte und signierte Schlossplatine. 1 Schlüssel. 55 × 33,5 × 74,5 cm. Provenienz: - Privatsammlung Sigrid Katharina Schwarz, Basel (gem. mündli- cher Überlieferung). - Schweizer Privatbesitz, aus dem Nachlass obiger erworben. Literatur: Christopher Payne: François Linke. The Belle Epoque of French Furniture. England, 2003, S. 137, Abb. 148, Index-Nr. 554 & Appendix S. 377. Guter restaurierter Zustand. Hölzer teils ausgebleicht. Fächerein- teilung wohl ersetzt. Bronzen etwas angelaufen. Kaum ein anderes Möbel verbildlicht die Stilelemente der Belle Époque so sehr wie dieser zierliche Beistelltisch von François Linke. Auf ingeniöse Weise verbindet der Pariser Luxusmöbel- hersteller traditionelle Stilelemente des Louis XV mit der neuen Formen- und Dekorsprache des emergierenden Art Nouveau. Meisterhaft ist allem voran die aufwändige und detailreiche Intar- sienarbeit auf dem Tischblatt und der Innenseite. In typischer Art Nouveau-Manier verbinden sich geometrische Grundmuster mit organisch-natürlichen Formen, so wie es bei der Muschel-Marke- terie auf dem Tischblatt der Fall ist. Verantwortlich für die Marke-

RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2