DECORATIVE ARTS 27. MÄRZ 2025

1086 ♣ ELFENBEINSTATUETTE EINER FRAU, WOHL EINE VENUS Deutschland, Mitte 17. Jh. Werkstatt Leonhard Kern (1588–1662) zugeschrie- ben. Elfenbein durchbrochen geschnitzt. Darstellung einer nackten Frau leicht im Kontrapost stehend, die Hände vor der Brust. Ein im Haar verwobe- nes Tuch fällt ihr vom Rücken über die linke Hüfte und verdeckt ihre Scham. Auf späterem Holzrundsockel montiert. H 23 cm. Provenienz: - Alain Moatti, Paris, 9.3.1979 (Beschreibungskopie vorhanden). - Sammlung Dr. E. Boehlen, Bern, bei obigem Händler erworben. Elfenbein mit Rissen. Basis repariert. Kleinere Kittungen. Diese anmutige Figur der Venus weist in Bezug auf Postur, Gesicht sowie die feine Gestaltung der Hände und Füsse einige Ähnlichkeit mit Arbeiten des berühmten Bildschnitzers Leonhard Kern auf, der während des Dreissigjähri- gen Krieges in Hall arbeitete. Vergleichbar ist die Gruppe der Drei Grazien aus der Zeit um 1650, welche Teil der Sammlung des Württembergischen Landes- museum in Stuttgart ist (Inv.-Nr. 1981-5). Vgl. Stadt Forchtenberg (Hrsg.): Die Künstlerfamilie Kern 1529-1691. Sigmaringen 1998, S. 166. Ebenso eine Dar- stellung der Hebe-Temperantia, um 1635/40 der Stiftung Preussischer Kultur- besitz (Kat. 14), Staatl. Museen Berlin, abgebildet bei: Elisabeth Grünenwald: Leonhard Kern. Ein Bildhauer des Barock. Schwäbisch Hall 1969, Tafel 31. Das aussergewöhnliche Detail des ins Haar verwobene Tuch findet sich ebenfalls an einer allegorischen Frauenfigur aus Elfenbein, welche Lucas Faydherbe zugeschrieben wird (Daniel Katz Ltd: European Sculpture. Ausstel- lungskatalog. London 2003, S. 34/35, Abb. 12). Obwohl detailreicher in der Schnitzerei, lässt sich ikonografisch eine Parallele zu unserem Exemplar zie- hen. Aufgrund der Verarbeitung von artengeschützten Materialien kann dieses Ob- jekt nicht von der Schweiz ins Ausland exportiert werden. CHF 5 000/8 000 (€ 5 320/8 510) 79

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