ZEICHNUNGEN UND GRAFIK ALTER MEISTER 28. MÄRZ 2025

3408 MEISTER VON 1515 (Anfang des 16. Jh. wohl in Italien tätig) Gebälk und eine Trophäe, auf dem Fries sieht man Pan bei einer Nymphe, auf einem von zwei Pferden gezogenen Wagen. Erstes Drittel 16. Jh. Radierung auf Bütten mit Wz. Schlange (siehe: Hind Nr. 152), Basel 1524. 27,5 x 22 cm (Bogengrösse: 29,5 x 24 cm). Provenienz: - Sammlung Eduard Steinacker (1839-1893), Braun- schweig. - Sammlung Karl Steinacker (1872-1944), Braunschweig. - Sammlung Dr. Hans Werner Schmidt (1904-1991), Braun- schweig und München. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: - Paul Kristeller (Hrsg.): Der Meister von 1515. Nachbil- dungen seiner Kupferstiche. Cassirer, Berlin 1916. Bartsch 24; Kristeller 29; Hind V. 286.25. - Hervorragender, kräftiger und kontrastreicher Druck umlaufend mit kleinem Rand um die Plattenkante. Das Papier ist recto und verso gleichmässig minim gebräunt. Vereinzelte unbedeutende Fleckchen. Insgesamt in sehr guter Erhaltung. - Eine kleine und überschaubare Anzahl von Werken des Meisters von 1515 befindet sich heute überwiegend in den bedeutendsten Museen der Welt. Die hier angebotene Grafik des Meisters von 1515 ist das erste Werk, dass auf einer Auktion angeboten wird. - Von allergrösster Selten- heit. Ein eigenwilliger und individualistischer Kupferstecher un- bekannter Nationalität war der Meister von 1515, der An- fang des 16. Jahrhunderts wohl in Italien tätig war. Seinen Notnamen erhielt er von Adam von Bartsch (1757-1851) nach der einzigen, auf einer seiner Radierungen hinterlas- senen Jahreszahl. Das durch Stilvergleiche zusammenge- tragene Euvre dieses Künstlers umfasst heute ca. vierzig Radierungen. Sie wurden 1916 von Bruno Cassirer in sei- nemVerlag in Berlin zum erstenMal in einemKatalog veröf- fentlicht und dokumentiert. Der Meister von 1515 benutzte eine Kaltnadel -Technik auf Kupfer, die um 1500 im Norden Deutschlands entstand. Das liesse eigentlich Deutschland als sein Herkunftsland vermuten. Doch mehrere seiner ar- chitektonischen Motive finden sich überraschenderweise im sogenannten Bambaia-Skizzenbuch wieder, das 1514 entstand und das heute im Berliner Kupferstich-Kabinett aufbewahrt wird. Dieses Skizzenbuch wird dem lombar- dischen Bildhauer Agostino Busti, genannt Il Bambaia, zugeschrieben. 1493 in Busto Arsizio geboren, war dieser Bildhauer unter anderem in Mailand tätig, wo er 1548 auch verstarb. Das charakteristischste Merkmal seines Stils, der in vieler- lei Hinsicht dem von Andrea Mantegna ähnelt, ist das Vor- handensein von Graten, d. h. von Metallstücken, die sich auf beiden Seiten eines Einschnitts in eine Metallplatte bilden. Wenn dieser Grat nicht wegpoliert wird, absorbiert er die Tinte und druckt ein sattes, samtiges Schwarz. Seine Motive zeigen zumeist klassische Architekturen, Allegori- en und Mythen. Stilistisch steht der Meister von 1515 zwischen Andreas Mantegna und einer Mailänder Schule, die beeinflusst vom Werk Leonardo da Vincis war. Aber auch Motive und Techniken von Albrecht Dürer sind in seinen Kupferstichen zu finden. Der hier angebotene Kupferstich ist ein charak- teristisches Beispiel für die fast naive, eindrückliche und teils sehr modern anmutende Interpretation klassischer Themen durch den Künstler, die vielleicht zum Teil von den Illustrationen der „Hypnerotomachia Poliphili“ von 1499 in- spiriert wurde. CHF 10 000/15 000 (€ 10 640/15 960) 188

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