IMPRESSIONISMUS & MODERNE 27. Juni 2025

3209* GUSTAVE LOISEAU (1865 Paris 1935) Les peupliers au bord de la rivière. 1899. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert und datiert: G. Loiseau 99. 71 × 92 cm. Gutachten: Didier Imbert, Paris, 12.6.2023. Provenienz: Privatsammlung Frankreich, seit mehreren Generationen im selben Familienbesitz. Gustave Loiseau malt "Les peupliers au bord de la rivière" im Jahr 1899. Das Werk zeigt Pappeln am Ufer der Eure in der Normandie an einem sonnigen Herbst- oder Wintertag. Ein leichter Wind be- wegt die oberen Äste der Bäume. Die dichte, strukturreiche Ober- fläche des Gemäldes, die sich durch kraftvolle Pinselstriche und flimmernde Farbaufträge auszeichnet, belegt Loiseaus technische Meisterschaft eindrucksvoll. Pappelreihen sind ein charakteristisches Motiv in Loiseaus Werken der 1890er-Jahre und ein unverzichtbarer Bestandteil der Land- schaft Nordfrankreichs. Der Künstler stand in enger Verbindung zu Claude Monet und war sich der Bedeutung der Pappel in dessen impressionistischen Serien der 1880er- und 90er-Jahre bewusst. Ähnlich wie Monet nutzt Loiseau die Bäume als Mittel, um das Wechselspiel von Licht und Atmosphäre zu erforschen und neue künstlerische Ausdrucksformen zu erproben. Als begeisterter "plein-air"-Maler erfasst er mit geschultem Blick den perfekten Moment, in dem das Licht auf das Gras oder die Wasserober- fläche fällt. So zeigt sich in "Les peupliers au bord de la rivière" exemplarisch Loiseaus meisterhafte Fähigkeit, Licht und Schat- ten unmittelbar aus der Natur einzufangen und auf die Leinwand zu bringen. Hinter der Schönheit dieser Darstellung verbirgt sich ein Mo- tiv von besonderer Bedeutung für Frankreich: Während der Französischen Revolution wurde die Pappel zum "Baum der Freiheit" erklärt. Paul Tucker erläutert: "Die Gründe für diese Wahl bleiben unklar, doch vermutlich liegt die Erklärung im la- teinischen Wort populus, das sowohl "Volk" als auch "volks- tümlich" bedeutet. Was auch immer der genaue Ursprung war – bis 1793 wurden in ganz Frankreich 60 000 Pappeln ge- pflanzt, und unzählige Flugschriften nutzten den Baum als Sym- bol der jungen Republik." (Übersetzt aus: Tucker, 1989, S. 138). Auch im 19. Jahrhundert blieb die Pappel ein politisches Symbol: Anlässlich des 100. Jahrestags der Revolution wurden 1889 er- neut feierlich Pappeln im ganzen Land gepflanzt. CHF 150 000/250 000 (€ 159 570/265 960) 10

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