IMPRESSIONISMUS & MODERNE 27. Juni 2025

Hanako unterscheidet sich deutlich von Rodins üblichen Model- len. Ihr für das europäische Publikum exotisches, fremdartiges Er- scheinungsbild inspiriert den Bildhauer zu neuen künstlerischen Mitteln. Besonders beeindruckt ist Rodin von Hanakos expressiven Gesichtszügen und ihrer Fähigkeit, starke Emotionen in ihrer Darbie- tung zu verkörpern. Dies veranlasst ihn, sie als Modell für zahlreiche Skulpturen und Zeichnungen zu nutzen, die nicht nur ihre Schönheit einfangen, sondern auch die Tiefe und Dramatik ihres Ausdrucks. In seiner Serie von Büsten, die er von Hanako anfertigt, zeigt Rodin die kreative Bandbreite dieser Gesichtsausdrücke – von angespann- ter Intensität bis hin zu tiefer Melancholie. Die meist in Terrakotta und Gips gefertigten Köpfe sind für Rodin bedeutende Studien der menschlichen Physiognomie und Emotion, die er später auch in an- deren Plastiken aufgreifen wird. Die angebotene Skulptur war gemäss der Widmung auf der Rück- seite des Kopfes ein Geschenk von Rodin direkt an die Künstlerin Hanako. Über die Galerie Moos in Zürich gelangte sie schliesslich in die bedeutende Winterthurer Sammlung Richard Bühler, in dessen Familienbesitz sie bis heute blieb. CHF 30 000/40 000 (€ 31 910/42 550) 3224 AUGUSTE RODIN (Paris 1840–1917 Meudon) Tête d'Hanako dite Type A. 1908/09. Gips. Verso gewidmet und signiert: A la grande artiste / A HANAKO / son admirateur / Rodin. 17 × 12,6 × 14,5 cm. Gutachten: Comité Auguste Rodin, Paris, 30.10.2024. Provenienz: - Auguste Rodin, Paris. - Hisa Õta (genannt Hanako), Paris, direkt vom Künstler erhalten. - Galerie Moos, Zürich/Genf. - Sammlung Richard Bühler, Winterthur, vor 1921 in obiger Galerie erworben. - Privatbesitz Schweiz, durch Erbschaft erhalten und seit vier Generationen im selben Familienbesitz. Ausstellung: Winterthur 2021, Modernité. Renoir, Bonnard, Vallotton. Der Sammler Richard Bühler, Kunst Museum Winterthur, 3.10.2020–21.2.2021, S. 150 und S. 228, Nr. 29 (mit Abb. S. 151). Wir danken dem Comité Auguste Rodin, Jérôme Le Blay, François Lorenceau und Thomas Lorenceau, für die Bestäti- gung der Authentizität des Werks. Hisa Õta war eine Darstellerin des traditionellen japanischen Theaters, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Namen "Hanako" durch Europa tourte. Als Auguste Rodin sie 1906 in Paris trifft, ist er sofort von ihr fasziniert. Madame Hanako in den 1910er-Jahren, Bild: NYPL 26

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