IMPRESSIONISMUS & MODERNE 27. Juni 2025
3232 KEES VAN DONGEN (Delfshaven 1877–1968 Monte-Carlo) Delfshaven. 1907. Öl auf Leinwand. Verso signiert: Kees van Dongen. Seitlich auf der Überlappung der Leinwand betitelt und datiert: Delfshaven. 07. 53,5 × 38 cm. Gutachten: Wildenstein Plattner Institute, New York, Mai 2025. Provenienz: - Henry Kahnweiler, Paris (verso mit Etikett), bis 1914. - Moderne Galerie Thannhauser, München, Nr. 6085 (verso mit Etikett), bis 1928. - Schweizer Privatsammlung, durch Erbschaft an die heutigen Besitzer. Wir danken dem Wildenstein Plattner Institute für die Bestätigung der Authentizität des Werks. Kees van Dongen fängt in diesem Gemälde die Atmosphäre seines Ge- burtsortes, der Hafenstadt Delfshaven, ein. Bereits zu seiner Zeit mit Rotterdam verwachsen, ist der Ort von Wasser umgeben und geprägt von regen Schiffsbewegungen. "Es war halb Dorf, halb Stadt", erinnert sich van Dongen. "Hinter dem Haus war Wasser, vor dem Haus war ein kleiner Geh- steig und dann auch Wasser. Die Schiffe fuhren vor dem Fenster vorbei. Alles war voll von Licht, voll von Farbe." (Übersetzt aus: Guth, La Revue de Paris 56 1949, Bd. I, S. 132). 1907 erlebt van Dongen in Paris seinen künstlerischen Durchbruch. Ers- te Verkäufe an Bernheim-Jeune im Vorjahr ebnen ihm den Weg zu einem festen Vertrag. Eine kurze Reise mit seiner Familie zurück in die Heimat könnte ihn dazu inspiriert haben, sich erneut Hafenszenen zuzuwenden. Möglicherweise angeregt durch Paul Signac, der zeitgleich impressionis- tische Ansichten des Rotterdamer Hafens schafft, begegnet van Dongen dem Thema auf seine eigene, fauvistische Weise. Das Gemälde besticht durch eine dynamische Farbgebung und markante Kontraste, die die Szenerie lebendig wirken lassen. Auffällig sind der hohe Schiffsmast und ein prägnantes Gebäude im Zentrum des Werks – vermut- lich die Pelgrimvaderskerk, ein symbolträchtiger Ort, von wo aus die Pilger- väter 1620 mit der "Speedwell" nach Amerika aufbrachen. CHF 40 000/60 000 (€ 42 550/63 830) 36
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