IMPRESSIONISMUS & MODERNE 27. Juni 2025
3273 OTTO DIX (Untermhaus 1891–1969 Singen) Randegg mit Hohentwiel. 1936. Öl auf Hartfaserplatte. Unten rechts monogrammiert und datiert: 19 dix 36. 60 × 70,3 cm. Provenienz: Otto Dix Stiftung. Ausstellungen: - Zürich 1938, Sonderausstellung Otto Dix, Kunstsalon Wolfsberg, März–Mai 1938, Nr. 9. - Wuppertal 1957, Otto Dix, Städtisches Museum, 3.2.–14.3.1957 (verso mit Etikett). - Berlin 1957, Otto Dix, Deutsche Akademie der Künste, April–Mai 1957, Nr. 42. - Konstanz 1975, Otto Dix, Kunstverein/Wessenberghaus, August–September 1975, Nr. 37. - Singen/Bregenz/Schaffhausen 1977, Kunst um den Bodensee 1900–1940. 30. Singener Kunstausstellung, Rathaus/Die Fähre/ Museum zu Allerheiligen, September–Oktober 1977, Nr. 30 (mit Abb.). - L'Isle-sur-la-Sorgue 1987, Otto Dix, Association Campredon Art et Culture, Juli–Oktober 1987, S. 47. - Singen 1989, Künstler auf der Höri, Kulturamt der Stadt Singen, April–Mai 1989, S. 59 (mit Abb.). - Konstanz/Hofgeismar/Weimar 2002/03, Friedrich Wilhelm Bogler. Ein Künstlerleben zwischen Bauhaus und Neuer Sach- lichkeit, Städtische Wessenberggalerie/Stadtmuseum/Karl Peter Röhl Stiftung, Oktober 2002–Juni 2003, S. 19 (mit Abb.). - Singen 2003, Otto Dix. Werke von 1933 bis 1969, Kunstmuseum, 3.8.2003, S. 44 (mit Abb.). - Krems 2009, Otto Dix, Kunsthalle, März–Juli 2009, S. 98 (mit Abb.). Literatur: - Fritz Löffler: Otto Dix 1891–1969, Recklinghausen 1981, Nr. 1936/7 (mit Abb.). - Fritz Löffler: Otto Dix. Leben und Werk, Dresden 1972, Nr. 152 (mit Abb.). - Doris Blübaum, Dirk Blübaum, Michael Kicherer und Eva Moser: Otto Dix. Der See, die Kunst, die Landschaft, Friedrichshafen 2000, S. 82 (mit Abb.). - Ausst.-Kat. Zum Kotzen schön, Otto Dix Haus, Hemmenhofen 2009 (mit Abb.). Das vorliegende Gemälde entsteht 1936 während Otto Dix’ selbst- ernannter "Innerer Emigration". Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, die ihn als "entarteten Künstler" diffamieren, verliert Dix seine Professur und entscheidet sich 1933 Dresden mit seiner Familie zu verlassen. Er zieht sich nach Singen zurück, auf das abgelegene Schloss Randegg – fernab des politischen Ge- schehens, umgeben von reiner Natur. Diese Flucht markiert einen Wendepunkt: Während Landschaften in seinen früheren Werken eher Kulisse blieben, rückt nun die Natur selbst ins Zentrum seines Schaffens. Die schwierigen Zeitumstände und seine intensive Auseinander- setzung mit den alten Meistern wie Albrecht Altdorfer, Caspar David Friedrich und Pieter Bruegel d. Ä. führen Dix zu einer neu- en malerischen Sprache. Zwischen 1933 und 1946 entstehen rund 160 Landschaftsbilder – stille, atmosphärische Werke voller innerer Spannung. Wie er selbst formuliert: "Es war eine richtige Flucht, eine Flucht in die Landschaft (...). Ich flüchtete hinaus in die Landschaft, malte und malte. Ich wollte nichts wissen vom ganzen Krieg. Ich wollte nur meine Ruhe haben." (Otto Dix in: Das graphi- sche Werk, 1965, S. 22). Das angebotene Gemälde "Randegg mit Hohentwiel" ist Teil die- ser Werkphase. Es basiert auf Naturstudien, ist jedoch keine reale Ansicht, sondern eine frei komponierte, inszenierte Landschaft. Dix bedient sich hier der altmeisterlichen Lasurtechnik und greift bewusst nicht auf impressionistische oder expressionistische Stilmittel zurück. Stattdessen schafft er dichte, stimmungsvolle Bildwelten, geprägt von Licht- und Wetterphänomenen – Wolken- bänken, Regenfällen, Dämmerungen. Seine Landschaften sind Seelenbilder, Ausdruck innerer Zustände. Oder, wie Dix selbst sagt: "Am Ende ist das Wesentliche der künstlerische Ausdruck, nicht die naturgetreue Darstellung." (Otto Dix: Briefe aus dem Exil, 2005, S. 112). CHF 80 000/120 000 (€ 85 110/127 660) 90
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