POST-WAR & CONTEMPORARY 26. Juni 2025
3482* LEE UFAN (Haman-gun 1936–lebt und arbeitet u.a. in Paris) Ohne Titel. 1995. Kohle auf Papier. Unten rechts signiert und datiert: L. Ufan '95. 63,2 × 90,5 cm. Provenienz: Privatsammlung Deutschland. Der südkoreanische Künstler und Theoretiker Lee Ufan gilt als eine der zentralen Figuren der Nachkriegsavantgarde in Asien. Er spielt eine entscheidende Rolle innerhalb der japanischen Mono- ha-Bewegung ("Schule der Dinge") der späten 1960er-Jahre. In seinemWerk vereinen sich Einflüsse aus fernöstlicher Philosophie und Ästhetik mit einem intensiven Diskurs über Materialität, Raum und Wahrnehmung. Eine weniger beachtete, jedoch konzeptuell hoch relevante Werkgruppe bildet Lee Ufans zeichnerisches Œuv- re der 1990er-Jahre, insbesondere seine Kohlearbeiten auf Papier. Diese Zeichnungen kennzeichnen eine Phase kontemplativer Konzentration und medialer Reduktion im Werk des Künstlers. Die Arbeiten bestehen zumeist aus wenigen gestischen Eingriffen auf grossformatigem, ungrundiertem Papier. Die verwendete Holz- kohle – ein historisch wie materiell aufgeladenes Medium – wird in rhythmischen, horizontalen oder vertikalen Bewegungen appli- ziert. Diese Spuren verweisen weder auf Gegenstände noch auf narrative Inhalte. Die drei hier vorliegenden Kohlezeichnungen der 1990er-Jahre sind exemplarisch für Lee Ufans transkulturelle und intermediale Praxis. Drei unterschiedliche Kompositionen, drei unterschiedliche Geschwindigkeiten und Dynamiken prägen die einzelnen Zeich- nungen. Als Betrachtende erleben wir, dass der Akt des Sehens nicht als objektivierendes Erfassen verstanden wird, sondern als verankerte Erfahrung. Die Arbeiten fordern eine entschleunigte, intensive Rezeption und eröffnen uns, den Betrachtenden, ein Re- flexionsfeld, das weit über die sichtbare Oberfläche hinausreicht. CHF 12 000/22 000 (€ 12 770/23 400) 103
RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2