POST-WAR & CONTEMPORARY 26. Juni 2025
3493 MIKULÁŠ MEDEK (1926 Prag 1974) Sensitivni manifestace IV. 1963. Öl und Emaille auf Leinwand. Unten rechts signiert und datiert: MEDEK 63, sowie verso signiert, betitelt und datiert: Sensitivni manifestace IV M. Medek 1963. 170,5 × 120 cm. Provenienz: - Künstlerstudio. - Privatsammlung Schweiz, 1973 direkt vom Künstler erworben. Ausstellung: Prag 2002, Mikuláš Medek, Galerie Rudolfinum, 25.4.–18.8.2002, Kat. S. 89 (mit Abb.). Wir danken Adéla Procházková, Enkelin von Mikuláš Medek, für die Bestätigung der Authentizität des Werks, 24.2.2025. Das Werk wird in das sich in Vorbereitung befindende Werk- verzeichnis von Mikuláš Medek aufgenommen. Ab den 1960er-Jahren entwickelt Mikuláš Medek seine un- verwechselbare Bildsprache, die zwischen Abstraktion, In- formel und existenziell aufgeladener Symbolik angesiedelt ist – eine Malerei, die stark von persönlichen Erfahrungen, spirituellen Fragen und gesellschaftlichen Umbrüchen ge- prägt ist. Auch die beiden vorliegenden, grossformatigen Arbeiten aus den Jahren 1963 und 1973 reihen sich in diese Phase ein. Entstanden sind diese Werke in einem Moment kulturel- ler Öffnung in der Tschechoslowakei, wenige Jahre vor dem Prager Frühling. In dieser Zeit ist abstrakte Kunst zumindest vorübergehend möglich und Medek nutzt diesen Freiraum konsequent, um sich vom offiziellen Kunstverständnis der so- zialistischen Ära abzusetzen. Die Gemälde aus jener Phase stehen exemplarisch für Medeks kompromisslosen, individu- ellen Zugang zur Malerei und gelten heute als Schlüsselwerke seines Gesamtwerks – als Ausdruck einer künstlerischen Hal- tung, die sich sowohl ästhetisch als auch politisch gegen jede Form der Vereinnahmung stellt. In dieser Zeit arbeitet er intensiv an der Entwicklung seiner charakteristischen Oberflächentechnik: Mehrschichtige Farb- aufträge, Ritzungen und reliefartige Strukturen erzeugen dich- te, haptisch wirkende Bildräume. Die reich strukturierte, fast wie verletzt wirkende Oberfläche verweist auf Medeks Ausei- nandersetzung mit dem Malgrund. Schon früh beginnt er, ne- ben Öl auch Emaillefarbe zu verwenden, um noch direkter in die Materialität des Bildes eingreifen zu können. Besonders markant ist Medeks gezielter Einsatz von Schwarz, Blau und Rot – Farben, die in seinem Œuvre stets symbolisch überhöht erscheinen und häufig emotionale oder metaphysi- sche Ebenen ansprechen. Seine Arbeiten dieser Zeit wirken wie verschlüsselte Systeme – von Formen durchzogen, die an Körper, Apparaturen oder organische Strukturen erinnern. Ihre genaue Funktion bleibt offen, doch sie zeichnen sich durch eine starke visuelle Prä- senz aus – ein Merkmal, durch das auch die zur Auktion kom- menden Werke bestechen. CHF 250 000/350 000 (€ 265 960/372 340) 114
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