POST-WAR & CONTEMPORARY 26. Juni 2025
3504* CHEN ZHEN (Shanghai 1955–2000 Paris) Le Monde / Le Chaos II. 1991. Installation. Eisen, Marmor, Acrylglas, Zeitungsblätter und Asche. 216 × 155 × 40 cm. Marmor professionell restauriert. Provenienz: - Sammlung Jean Albou. - Auktion Artcurial, Paris, 29.1.2008, Los 39. - Privatsammlung Spanien, an obiger Auktion erworben. Ausstellung: Paris 1991, Chen Zhen, École nationale des beaux-arts (ENSBA), 14.6.–22.7.1991, Kat. S. 18–20. Literatur: - David Rosenberg und Xu Min (Hrsg.): Chen Zhen. Invocation of Washing Fire, Siena 2003, S. 79. Geboren und aufgewachsen in Shanghai, erlebt Chen Zhen als Jugendli- cher die Kulturrevolution in China – eine prägende Zeit. 1986 übersiedelt er nach Paris, wo er nach und nach seinen Weg zur Installationskunst findet. Der Künstler erforscht mit seinen Skulpturen und Installationen globale Themen wie kulturelle Identität und das Spannungsverhältnis zwischen Ost und West, Körper und Geist, Krankheit und Heilung, Zerstörung und Erinnerung. In seinen Arbeiten kombiniert er Alltagsobjekte wie Betten, Stühle und Zeitungen mit Materialien wie Glas, Metall und Asche. Er ent- zieht sie ihrer ursprünglichen Funktion und führt sie in eine metaphorische Dimension über. Die vertrauten Dinge werden zu Trägern neuer Bedeutun- gen – sie sprechen von Erinnerung, Identität und Transformation. Chen Zhen will mit seiner Kunst gesellschaftlich sensibilisieren – für das Chaos der Welt, aber auch für das Potenzial innerer Heilung und interkul- tureller Harmonie. "Le Monde / Le Chaos II" aus dem Jahr 1990 ist eine monumentale Instal- lation, die wie ein brennendes Archiv wirkt – ein Mahnmal für die Zerbrech- lichkeit von Wissen, Medien und Wahrheit. Die Struktur besteht aus einem Gitter aus rechteckigen Feldern, die an Setzkästen erinnern. Die Fächer sind mit der Asche verbrannter Zeitungen gefüllt. Die gedruckte Informa- tion aus Le Monde – ein Symbol journalistischer Autorität – wird in Staub verwandelt und in stummen, beinah sakral wirkenden Behältern konser- viert. Was einst Worte waren, ist jetzt nur noch Russ. Das Gedächtnis der Welt steht unter Glas – fragmentiert, verbrannt, verloren. Die Skulptur strahlt eine gespannte Stille aus. Sie lädt die Betrachtenden dazu ein, über die Vergänglichkeit von Medien, über Desinformation und über das Chaos der modernen Welt nachzudenken. CHF 170 000/270 000 (€ 180 850/287 230) 128
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