POST-WAR & CONTEMPORARY 26. Juni 2025

3420 ALEXANDER CALDER (Lawnton 1898–1976 New York) Ohne Titel. 1970. Gouache und Tinte auf Papier. Unten rechts signiert und datiert: Calder 70. 107,5 × 74,3 cm. Provenienz: - Auktion Jean-Claude Binoche, Paris, 26.6.1974, Los 153. - Privatsammlung, an obiger Auktion erworben. - Privatsammlung Schweiz, erworben um 1980. - Privatsammlung Schweiz, von vorherigem Besitzer 1992 erhalten. Dieses Werk ist im Archiv der Calder Foundation, New York, unter der Nummer A13776 registriert (Komitee 25.2.2025). Alexander Calder, weltbekannt für seine kinetischen Skulp- turen und Mobiles, wandte sich in den letzten Jahren seines Lebens verstärkt dem zweidimensionalen Medium zu: den Papierarbeiten. Die Werke aus den 1970er-Jahren nehmen in- nerhalb seines Œuvres eine besondere Stellung ein. Sie sind weder bloss Nebenprodukte seiner skulpturalen Praxis noch einfache Entwürfe, sondern eigenständige künstlerische Po- sitionen, die den Geist seiner mobilen Kunst auf das Papier übertragen. In Calders Papierarbeiten wird sichtbar, dass seine Auseinan- dersetzung mit Bewegung nicht zwingend auf mechanische Mobilität angewiesen ist. Stattdessen suggerieren die flies- senden Formen, der rhythmische Einsatz von Farbe und Linie sowie die oft asymmetrische Balance eine imaginierte Bewe- gung. Die dynamischen Kompositionen erinnern an die Struk- tur seiner Mobiles – sie wirken wie eingefrorene Momente in einem kontinuierlichen Tanz. Besonders auffällig ist der gestische Charakter vieler Arbeiten, wie die hier vorliegende Arbeit aus dem Jahr 1970: Mit Gou- ache und Tinte setzt Calder organische Formen, geschwun- gene Linien, Spiralen und strahlende Farbflächen auf Papier. Dieses Werk atmet eine grosse Unmittelbarkeit, ein Zeichen für Calders zunehmendes Interesse an einer direkten, fast im- provisatorischen Arbeitsweise. Was diese Papierarbeit Calders auch so bemerkenswert macht, ist ihre Freiheit – im künstlerischen wie im gestischen Sinn. Sie wirkt weniger konstruiert als manche seiner früheren Werke, fast spielerisch. Sie steht damit im Einklang mit der zu- nehmenden Leichtigkeit, die sein Spätwerk insgesamt prägt. In einer Zeit, in der die Kunstwelt sich verstärkt konzeptuellen und politischen Fragestellungen zuwendet, setzt Calder ein bewusstes Zeichen für die Kraft der Form, der Farbe und der Freude am Gestalten. CHF 40 000/60 000 (€ 42 550/63 830) 22

RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2