POST-WAR & CONTEMPORARY 26. Juni 2025

3432 SAM FRANCIS (San Mateo 1923–1994 Santa Monica) Ohne Titel (SFP 92-22). 1992. Acryl auf Leinwand, aufgelegt auf Holzkonstruktion. Verso mit der Stempelsignatur: Sam Francis, sowie dem Nachlassstempel: The Sam Francis Estate. Zudem mit einer handschriftlichen Notiz: SF (3293 STUDIE 6# SF. 189 × 63 × 4,5 cm. Provenienz: - Gallery Delaive, Amsterdam. - Galerie Lovers of Fine Art, Gstaad. - Privatsammlung Schweiz. - Privatsammlung Schweiz, durch Erbschaft erhalten. Ausstellung: Amsterdam 2005, Sam Francis: The Unknown Works from the 1990s, Gallery Delaive, 19.11.–23.12.2005. Online-Werkverzeichnis: Debra Burchett-Lere (Hrsg.): Sam Francis: Online Catalogue Raisonné Project. cr.samfrancisfoundation.org/, Nr. SFF.1691 (Francis Archive SFP92-22). "Painting is about the beauty of space and the power of con- tainment." Sam Francis Raum und seine Begrenzung durch die Farbe sind zentrale Themen im Œuvre des US-amerikanischen Malers Sam Fran- cis. Besonders in seinem Frühwerk zeigt sich die Ausdehnung des Tiefenraums bis ins scheinbar Unendliche, wie in dem zur Auktion kommenden Werk von 1962 (Los 3429). Dabei lässt die klare Begrenzung der Farbflächen im Vordergrund die Be- trachtenden direkt in das Bild eintauchen. Das Werk, ausge- führt in Gouache und Acryl auf festem Papier, spiegelt Francis’ frühes Interesse an der dynamischen Interaktion von Farbfel- dern wider. Das Wechselspiel zwischen schwebenden, trans- parenten rot-schwarzen Farbflächen und den feinen, blitzartig aufspringenden Farbspritzern und Drips in Rot, Blau und Gelb unterstreicht die visuelle Energie des Werks. Dabei findet Sam Francis erst durch eine Kriegsverletzung während des Zweiten Weltkriegs zur Kunst. Flach auf dem Rücken beobachtet er fasziniert das Spiel des Lichts an der Zimmerdecke. Als er schliesslich entlassen wird, steht der Ent- schluss fest, sein Leben zu ändern und sich ganz der Kunst zu widmen. Seinen persönlichen Stil findet Sam Francis in den 1950er-Jahren, in denen er sich einige Zeit auch in Paris und Japan aufhält. Er verbindet Action Painting und Colour Field Painting aus dem Abstrakten Expressionismus mit Tachismus und den Einflüssen der Japanischen Kunst und Kalligraphie zu seiner eigenen farbintensiven Bildsprache. Zwei weitere Werke in dieser Auktion repräsentieren das Spät- werk von Francis. Das Werk aus dem Jahr 1990 (Los 3431) steht für eine freie, expressive Malweise Francis‘, die durch ei- nen homogeneren Farbauftrag in Gelb eine energiegeladene und lebendige Atmosphäre schafft. Die Verwendung von Acryl auf Papier ermöglicht eine feinere Kontrolle der Farbflächen und eine subtilere Abstimmung der Farbnuancen. Hier zeigt sich Francis’ kontinuierliche Suche nach einer universellen Sprache der Farbe, die sowohl emotionale Tiefe als auch me- ditative Ruhe vermittelt. Das Werk aus dem Jahr 1992 (Los 3432), in Acryl auf Lein- wand auf Holz ausgeführt, markiert eine Rückkehr zu kraftvol- len Farbflächen. Die Verwendung von Acryl auf einer festen Trägerfläche verstärkt die Präsenz des Werkes im Raum und unterstreicht Francis’ Leidenschaft für die Materialität der Ma- lerei. Die Komposition ist oft durch eine dynamische Balance zwischen organischen Formen gekennzeichnet, was die Viel- schichtigkeit seiner abstrakten Bildsprache hervorhebt. Insgesamt verdeutlichen die hier angebotenen Werke die kon- tinuierliche Entwicklung von Francis’ Stil, die von expressiver Farbgestaltung bis hin zu einer subtileren, meditativen Farb- komposition reicht, und belegen seine Bedeutung als bedeu- tender Vertreter der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts. CHF 60 000/90 000 (€ 63 830/95 740) 40

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