POST-WAR & CONTEMPORARY 26. Juni 2025

3445* OLGA DE AMARAL (Bogotá 1932–lebt und arbeitet in Bogotá) AZUL. 1973. Wolle und Rosshaar. Verso auf dem Stoffetikett signiert, betitelt und datiert: O. DE AMARAL 151 AZUL 1973, sowie auf dem Lederetikett zweifach signiert, bezeichnet und datiert: de AMARAL Olga de Amaral 151 Blue 1973. 108 × 111 cm. Provenienz: - Studio der Künstlerin. - Privatsammlung Kolumbien. Ausstellung: Miami 1974, Olga de Amaral: Woven Entanglements. Marañas Tejidas, Brickell Gallery, Juni 1974, Kat. Nr. 151. Dieses Werk ist im Werkverzeichnis von Olga de Amaral, Bogotá, unter der Nummer OA0151 registriert. Wir danken der Agentur von Olga de Amaral für die freundliche Unterstützung. Olga de Amaral zählt sowohl zu den zentralen Protagonistin- nen der lateinamerikanischen Kunstszene, als auch zu den prägenden Stimmen innerhalb der zeitgenössischen Textil- kunst. Durch die einzigartige Symbiose von geometrischen Formen und variierenden Texturen im Raum erschafft sie Wer- ke, die zwischen Malerei, Skulptur und Installation oszillieren. Im Zentrum ihres Œuvres steht die kontinuierliche Auseinan- dersetzung mit den physischen und ästhetischen Eigenschaf- ten textiler Materialien sowie deren konzeptuelle Transformati- on und die so erzielte Erweiterung der Grenzen der Werkstoffe. Ihre wohl bekanntesten Arbeiten der vergangenen Jahre zei- gen diese Materialforschung deutlich: Durch die Verbindung weicher, flexibler Textilien mit metallisch schimmernden Farb- tönen – insbesondere Gold und Silber – evoziert de Amaral eine spannungsreiche Dialektik zwischen stofflicher Wärme und der kühlen Glätte metallischer Oberflächen. So entstehen hybride Bildkörper, die eine immersive Erfahrungsdimension zwischen Zweidimensionalität und dreidimensionaler Präsenz kreieren. Ihre Arbeiten operieren dabei innerhalb eines dich- ten Referenzsystems, das sowohl mythologische Topoi – wie etwa das Goldene Vlies oder die Legende von El Dorado – als auch kunsthistorische Bezüge aktiviert, etwa zur Tradition des Goldgrunds in der mittelalterlichen Tafelmalerei. Was in den metallisch-reduzierten Arbeiten latent präsent ist, artikuliert sich in ihren farbintensiven Installationen der 2010er Jahre expliziter: Hier wird die von Olga de Amaral vollzogene Verbindung indigener lateinamerikanischer Bildtraditionen mit westlichen Kunstströmungen besonders sichtbar. Die Kompo- sitionen verweisen einerseits mit ihrer expressiven Farbwahl und ihrer installativen Anlage auf die Ästhetik des Abstrakten Expressionismus, andererseits transformieren sie die formale Sprache präkolumbianischer Ornamentik in eine zeitgenössi- sche, abstrahierte Bildgrammatik. De Amarals Werk steht so- mit für einen transkulturellen Dialog, der Vergangenheit und Gegenwart, regionale Verwurzelung und globale Rezeption produktiv miteinander verschränkt. Das zur Auktion stehende Werk "AZUL" ist eine frühe Arbeit der Künstlerin und veranschaulicht diese grundlegenden Ten- denzen in konzentrierter Form. Der Wandteppich aus intensiv blauer Jute und Rosshaar artikuliert durch die skulpturale Ver- flechtung seiner Elemente eine komplexe Textur, in der sich handwerkliche Tradition und künstlerische Innovation un- trennbar verbinden. Bereits in dieser Arbeit manifestiert sich das Potenzial de Amarals, textile Materialien in eine autono- me, visuell wie konzeptuell überzeugende Formensprache zu überführen. CHF 60 000/80 000 (€ 63 830/85 110) 58

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