POST-WAR & CONTEMPORARY 26. Juni 2025

3451 SEUNDJA RHEE (Jinju 1918-2009 Paris) Promesses de la terre. 1961. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert: SEUND JA RHEE, sowie verso signiert, betitelt, bezeichnet, nummeriert, mit Ortsangabe, koreanischen Schriftzeichen und Stempel: 196140P6.31 SEUND JA RHEE PARIS "PROMESSES DE LA TERRE" 13, sowie auf dem Keilrahmen bezeichnet: 6140P631. 100 × 73 cm. Provenienz: - Studio der Künstlerin. - Privatsammlung Schweiz, direkt von der Künstlerin erworben. - Privatsammlung Schweiz, durch Erbschaft erhalten. Wir danken der Seundja Rhee Foundation für die Bestätigung der Authentizität des Werks, Seoul, 19.2.2025. Das Werk ist in der Seundja Rhee Foundation, Seoul, registriert. "I don’t know anything except myself being a woman. I only know of the earth that covers fireballs of high temperature with its soil, accepting quietly storms and raging billows, while gi- ving life to all things." Seundja Rhee Geboren am 3. Juni 1918 in Jinju (Südkorea) zählt Seundja Rhee zu den prägenden koreanischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Arbeiten vereinen traditionelle koreanische Kunst mit westlicher Moderne. In den 1930er-Jahren studiert Rhee an der Kaiserlichen Kunsthochschule in Tokio und be- schäftigt sich intensiv mit westlichen Maltechniken. Während des Koreakriegs emigriert sie 1951 nach Paris, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2009 lebt und arbeitet. Ab 1953 setzt sie ihre künstlerische Ausbildung an der Académie de la Grande Chaumière bei Henri Goetz und Yves Bayer fort und entwickelt ihren charakteristischen Stil, der Abstraktion mit kulturellen Einflüssen ihrer Heimat verbindet. Ihr vielseitiges Œuvre umfasst Malerei, Holzschnitte, Keramik, Tapisserie, Mosaik und Poesie. Sie ist bekannt für abstrakte Gemälde und Skulpturen, die oft von traditioneller koreani- scher Kunst, Kalligraphie und Naturmotiven inspiriert sind. Ihr Stil zeichnet sich durch eine harmonische Balance zwischen östlicher und westlicher Ästhetik aus, wobei sie das östliche philosophische Konzept von Yin und Yang als zentrale Grund- lage ihrer Arbeit betrachtet. Ihre Werke verbinden bildende Kunst mit Literatur und reflektieren ihre persönlichen Emp- findungen und Erfahrungen als Koreanerin, obwohl sie den Grossteil ihres Lebens in Frankreich verbringt. "Promesse de la terre" aus dem Jahr 1961 entsteht in der "Wo- men and Earth-Periode" (1961–1968), in der Seundja Rhee ihren künstlerischen Stil von der Gegenständlichkeit zur Ab- straktion weiterentwickelt. Charakteristisch für diese Phase sind organisch wirkende Kompositionen, die von emotionaler Dichte und symbolhafter Geometrie geprägt sind. In diesem Gemälde kombiniert Rhee strenge Linien und Streifen mit abstrahierten geometrischen Formen, die Themen wie Mut- terschaft und Erde aufgreifen. Die lebhaften Ölfarben trägt sie in kurzen, pastosen Pinselstrichen auf, deren Textur an pointillistische Techniken und traditionelle koreanische Web- muster erinnert. Die Arbeit reflektiert sowohl Rhees persön- liche Biografie als auch kulturelle Einflüsse. Ihre Sehnsucht nach Korea, nach ihren Söhnen, die sie zurücklassen musste, und nach der mütterlichen Geborgenheit verschmilzt mit der Vorstellung der Erde als lebensspendender Kraft. Wie ein ge- webtes Textil entfaltet sich das Gemälde in Schichten: Jeder Pinselstrich wirkt wie ein Faden, der Geduld und Hingabe er- fordert, während die Komposition als Ganzes eine stille, aber unaufhaltsame Vitalität ausstrahlt – ein Versprechen der Erde, das selbst unter den sichtbaren Spuren der Zeit weiterbesteht. CHF 40 000/60 000 (€ 42 550/63 830) 68

RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2