POST-WAR & CONTEMPORARY 26. Juni 2025

3469 DOMENICO GNOLI (Rom 1933–1970 New York City) Zipper no. 2 (Zip). 1968. Acryl und Sand auf Leinwand. Verso signiert, betitelt, datiert, nummeriert und mit Massangaben: 1 D. Gnoli 1968 "Zip" (1,85 × 0,89). 195 × 89 cm. Provenienz: - Sidney Janis Gallery, New York City (verso mit dem Etikett). - Privatsammlung Schweiz. - Privatsammlung Schweiz, durch Erbschaft erhalten. Ausstellung: New York City 1969, GNOLI, Sidney Janis Gallery, 3.–27.12.1969, Kat. Nr. 9 (mit Abb.). Literatur: - Fondazione Prada (Hrsg.): Domenico Gnoli, Mailand 2021, S. 304, Nr. 917 & 918 (mit Abb.) und S. 318, Nr. 965 (mit Abb.). - Luigi Carluccio: Domenico Gnoli, Lausanne 1974. Domenico Gnoli gehört zu den eigenwilligsten Künstlerper- sönlichkeiten im Italien der Nachkriegszeit. Seine Laufbahn beginnt im Spannungsfeld zwischen Illustration, Theater und Malerei, doch in den 1960er-Jahren entwickelt er eine Bild- sprache, die ihn international bekannt macht – und ihn bis heute als Solitär innerhalb der modernen Kunst verortet. Gnoli wird am 3. Mai 1933 in Rom geboren. Er wächst in ei- ner kulturgeprägten Familie auf: Sein Vater, Umberto Gnoli, ist Kunsthistoriker, seine Mutter, Annie de Garrou, Malerin und Keramikerin. Früh wird sein Interesse für Zeichnung und bild- nerisches Erzählen gefördert. Er studiert an der Accademia di Belle Arti in Rom und vertieft seine Ausbildung in London an der Slade School of Fine Art – zwei Institutionen, die ihm zugleich technische Grundlagen und internationale Perspek- tiven eröffnen. Bereits in den frühen 1950er-Jahren tritt Gnoli als Illustrator und Bühnenbildner in Erscheinung. Seine Arbeiten für The- aterproduktionen – unter anderem am Old Vic in London – zeichnen sich durch eine feine Balance zwischen Realismus und ästhetischer Abstraktion aus. Parallel dazu macht er sich in New York als Zeichner für grosse Magazine wie Vogue, Time, Harper’s Bazaar oder The New Yorker einen Namen. Diese Tätigkeiten festigen seinen Ruf als feinsinniger Gestal- ter, der Formen präzise erfasst und dennoch mit Humor und Poesie auflädt. Doch Mitte der 50er-Jahre beginnt ein Wandel: Gnoli entfernt sich allmählich von der angewandten Kunst, um sich verstärkt der freien Malerei zuzuwenden. Ab den frühen 1960er-Jahren entwickelt er eine unverkennbare Bildsprache, die aus der Nahsicht und Isolierung banaler Gegenstände und Körpertei- le eine neue ästhetische Erfahrung formt. Überdimensionale Darstellungen von Stuhlbezügen, Kleidungsstücken, Haar- partien oder Schuhsohlen verwandeln das Alltägliche in das Rätselhafte – es ist eine Kunst der Vergrösserung, der Entfrem- dung und der latenten Spannung. Die wichtigste Werkphase beginnt um 1964, dem Jahr, in dem Gnoli an der documenta III in Kassel teilnimmt – ein bedeuten- der Meilenstein in seiner Karriere. Von da an wird sein Werk international ausgestellt und zunehmend als eine ausserge- wöhnliche Synthese aus Surrealismus, Pop Art und metaphy- sischer Malerei wahrgenommen. Anders als seine amerikani- schen Zeitgenossen zielt Gnolis Kunst nicht auf Konsumkritik oder Massenkultur, sondern auf eine stille, fast existentielle Betrachtung der Dinge. Seine Motive sind fragmentarisch, menschenleer und zugleich zutiefst menschlich. Domenico Gnolis Maltechnik ist ebenso präzise wie eigensin- nig – sie spiegelt seine doppelte Herkunft aus der Illustration und der klassischen Malerei wider. Seine Gemälde zeichnen sich durch eine aussergewöhnliche Klarheit, Materialität und formale Disziplin aus. Gnoli arbeitet vorwiegend mit Acrylfarbe 88

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