GRAFIK & MULTIPLES 26. Juni 2025
3630 PABLO PICASSO (Málaga 1881–1973 Mougins) Portrait de Jacqueline accoudée. 1959. Farblinolschnitt. Ein Exemplar der Auflage von 5, ausserhalb der Auflage von 50. Unten rechts mit Bleistift signiert: Picasso, sowie unten mittig mit der eigenhändigen Widmung mit schwarzem Farbstift: pour B. Geiser. Darstellung 64 × 53 cm auf Vélin von Arches (mit dem Wasserzeichen) 75,2 × 62 cm. Gedruckt von Hidalgo Arnéra, Vallauris. Provenienz: - Sammlung Bernhard Geiser, direkt vom Künstler 1959 erhalten. - Sammlung Walter Kern, Winterthur/Uttwil. - Privatsammlung Schweiz, durch Erbschaft von Obigem erhalten. Werkverzeichnis: - Bloch, Nr. 922. - Baer, Nr. 1240.C. Der Farblinolschnitt „Portrait de Jacqueline accoudée“, 1959 entstanden, gehört zu den bedeutenden Arbeiten Pablo Picas- sos in seiner späten Schaffensphase. In dieser Zeit experimen- tiert der Künstler intensiv mit dem Medium des Linolschnitts – einer Technik, die ihm nicht nur neue Ausdrucksmöglich- keiten eröffnet, sondern auch seine Innovationskraft im grafi- schen Bereich unter Beweis stellt. Das Porträt zeigt Jacqueline Roque, Picassos letzte Lebensgefährtin und Muse, die in zahl- reichen seiner Werke seit den 1950er Jahren verewigt wurde. Die Darstellung Jacquelines – mit aufgestütztem Arm, ruhi- gem Blick und klar konturierten Gesichtszügen – zeugt von einer tiefen Intimität und inneren Ruhe. Gleichzeitig bewahrt Picasso durch die abstrahierende Gestaltung eine gewisse Distanz, wodurch die Figur eine fast ikonische Präsenz erhält. Die charakteristische Linienführung und die meisterhafte Re- duktion der Form betonen sowohl die grafische Kraft als auch die emotionale Tiefe des Motivs. Jacqueline erscheint in die- sem Porträt nicht nur als private Gefährtin, sondern als muse- ale Figur – idealisiert, zeitlos und monumental. Ihre Haltung erinnert an klassische Porträttraditionen, die Picasso hier in seine moderne Formsprache überführt. Dieses vorliegende Exemplar entstammt einer kleinen Son- derauflage von fünf Exemplaren, die ausserhalb der regulären Edition von 50 Drucken entsteht und vom Künstler gemeinsam mit dem Drucker in Vallauris gefertigt wird. Das Blatt gelangt zunächst als Geschenk, versehen mit einer persönlichen Wid- mung Picassos an seinen Werkverzeichnisersteller Bernhard Geiser am unteren Rand, aus dem südfranzösischen Vallauris in die Schweiz. In der Folge findet der Linolschnitt seinen Weg in eine Schweizer Privatsammlung. Bernhard Geiser ist ein bedeutender Schweizer Kunsthistori- ker, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebt. Er ist vor allem für sein umfassendes Werkverzeichnis der Druckgra- fik von Pablo Picasso bekannt, das unter dem Titel „Picasso, peintre-graveur“ erscheint und von 1933 bis 1996 in mehreren Bänden veröffentlicht wird. Obwohl Geiser in der Schweiz an- sässig ist, pflegt er Kontakte zu Picasso und ist früher Förderer und Sammler seiner Druckgrafik. So stellt er beispielsweise auch den Kontakt zum Zürcher Textilindustriellen Georges Bloch her, der Picasso 1953 persönlich kennenlernt. Geisers Werkverzeichnis gilt als eines der wichtigsten Nachschlage- werke für Picassos Druckgrafik und trägt seit jeher massgeb- lich dazu bei, das Verständnis und die Wertschätzung für Pi- cassos Arbeiten in diesem Medium zu fördern. CHF 70 000/100 000 (€ 74 470/106 380) 18
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