GEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS AUKTION 19. SEPTEMBER 2025

3217* CARL SPITZWEG (1808 München 1885) Am Schlagbaum vor dem Städtchen. Öl auf Malkarton. 16 × 22,2 cm. Provenienz: Aussereuropäischer Privatbesitz. Ausstellung: - Berlin 1886, 23. Sonder-Ausstellung, Nationalgalerie Berlin, November bis Dezember 1886, Nr. 97. - Dresden 1887, Sächsischer Kunstverein Dresden, April 1887. - Prag 1887, Spitzweg-Ausstellung, Rudolfinum Prag, Nr. 52. Literatur: Günther Roennefahrt: Carl Spitzweg. Beschreibendes Verzeichnis seiner Gemälde, Ölstudien und Aquarelle, München 1960, S. 247, Nr. 1016, als "Postwagen am Schlagbaum". Dieses Gemälde von Carl Spitzweg, das kürzlich in einer ausser­ europäischen Privatsammlung wiederentdeckt wurde, zählt zu der Gruppe von Gemälden im Gesamtwerk Spitzwegs, die Zollwa- chen, Mauthäuser und Grenzkontrollen zum Thema haben und die nur sehr selten auf dem Kunstmarkt auftauchen (siehe Siegfried Wichmann: Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke - Gemälde und Aquarelle, Stuttgart 2002, S. 216 ff., Nr. 353 bis Nr. 360, S. 399, Nr. 951, S. 558, Nr. 1548). Zu Lebzeiten Spitzwegs herrschte im Deutschland des 19. Jahrhunderts eine ausgeprägte Kleinstaaterei, so konnte keine längere Reise unternommen werden, ohne von neugierigen Zöllnern kontrolliert zu werden. Spitzweg, der selbst viel gereist ist, dürfte dies am eigenen Leibe häufig erfahren haben. In dem uns vorliegenden Bildchen vereint Spitzweg mehrere charmante Details, die die Gesamtkomposition besonders reiz- voll machen. So ist der Bildraum klug gestaffelt: Das Mauthaus rechts, die langgestreckten Figuren der Zöllner, die hochge­ lassene Schranke sowie die dichte Vegetation links bilden die Grenze, die die bühnenhaft arrangierte Komposition gliedert. Die bunten Figuren der Reisegesellschaft mit Kutsche geben dem Gemälde wunderbare Farbakzente und das sonnenbeschienene Städtchen im Hintergrund – sicherlich Zielort der Reisenden - vermittelt ganz in spitzwegscher Manier eine kleinstädtische Idylle. Der alte Turm einer Burgruine, der aus dem Wald rechts im Hintergrund ragt, mag auf das altdeutsche Raubrittertum verweisen – ein subtiler Hinweis auf Spitzwegs Haltung gegen- über der Zollpolitik in seiner Zeit? Interessant ist auch das Wachssiegel, das auf der Rück- seite unseres Gemäldes zu finden ist (Abb. 1) und das Familienwappen Spitzwegs zeigt (Abb. 2). CHF 10 000/15 000 (€ 10 640/15 960) Abb. 2 Wappen der Familie Spitzweg (entnommen aus: Wichmann 2002, S. 37) Abb. 1 Wachssiegel verso 126

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