GEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS AUKTION 19. SEPTEMBER 2025
3222* CARL SPITZWEG (1808 München 1885) Schulkinder unter dem Ammergauer Kofel. Öl auf Leinwand. Unten links monogrammiert: S im Rhombus. 46,5 × 32,6 cm. Gutachten: Prof. Dr. Siegfried Wichmann, Oktober 2006. Provenienz: - Europäischer Privatbesitz. - Auktion Hampel, München, 8.12.2007, Los 1571. - Europäischer Privatbesitz. - Auktion Neumeister, München, 3.12.2008, Los 759. - Europäische Privatsammlung. Ausstellung: Winterthur 2020, Carl Spitzweg, Kunst Museum Winterthur, 29.2.–2.8.2020, Nr. 10. Der Kofel ist ein 1342 Meter hoher Berg in den Ammergauer Alpen, der durch seine markante Form und ex- ponierte Lage eines der Wahrzeichen der Gegend darstellt. Spitzweg, der häufig Ausflüge in die Bayerische Natur unternahm und sicherlich auch den Kofel besuchte, wählt diese idyllische Berglandschaft als Kulisse für das hier angebotene Gemälde. Von dem Motiv existieren im Gesamtwerk Spitzwegs vier weitere Versionen (siehe Siegfried Wichmann: Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke - Gemälde und Aquarelle, Stuttgart 2002, S. 244 f., Nr. 438 bis Nr. 441), wobei unser Gemälde zusammen mit jener im Museum Georg Schäfer Schweinfurt (Inv.-Nr. MGS L 2268) die am feinsten ausgeführte Version darstellt. Die äusserst virtuos ausgeführte Malerei setzt im Vorder- und Mittelgrund Braun, Gelb- und Grüntöne, die zum Dunk- len und Hellen reich abgestuft sind. Insbesondere die exakte Wiedergabe der Nadelbäume sowie der unterschiedlichen Blattwerke der Laubbäume, Sträucher und Bodenge- wächse offenbaren uns, dass Spitzweg ein sehr genauer Beobachter der Natur war und sein Wissen als Hobby- botaniker sehr gut in seine Gemälde mit einfliessen las- sen konnte. Liebevoll gesetzte Farbtupfen in Blau und Weiss beschreiben Bergblumen, die am Rande des Pfades, der sich durch das Bergidyll schlängelt, wachsen. Die beiden Schulkinder gehen diesen Weg zielstrebig entlang, wobei die ältere Schwester ihren jüngeren Bruder vertrauensvoll untergehakt hat. Bei unseren kleinen Protagonisten handelt es sich nicht um Hänsel und Gretel, die verirrt im Wald umherstreifen, sondern um selbstbewusste Heran- wachsende, die ihren weiten Schulweg nicht nur bei schönem Wetter bestreiten müssen. In diesem für das 19. Jahrhundert alltäglichen Motiv schwingen romantische Vorstellungen mit. Spitzweg hat diese romantische Bildform, die von Ludwig Richter (1803–1884) und Moritz von Schwind (1804–1871) für Nymphen und allerlei Sagenfiguren geprägt wurde, ins Reale übersetzt und sie auf diese Weise profaniert. Die mächtige Felswand des Kofel, die den Bildhintergrund ein- nimmt und unsere Schulkinder noch kleiner erscheinen lässt, rundet die eindrucksvolle Naturkulisse in diesem Meisterwerk der deutschen Malerei gekonnt ab. CHF 90 000/120 000 (€ 95 740/127 660) 132
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