GEMÄLDE ALTER MEISTER AUKTION 19. SEPTEMBER 2025
3015* DENIJS VAN ALSLOOT (um 1570 Brüssel um 1626) Diana und Callisto in einer Waldlandschaft an einem See mit weiteren Nymphen. Öl auf Leinwand. 120 × 168,5 cm. Provenienz: - Kunsthandel Galleria D. Tondi, Cagliari, 1962. - Auktion Finarte, Mailand, 19.10.1972, Los 70 (als Jan Brueghel d. J.). - Europäischer Privatbesitz. Literatur: - Willy Laureyssens: "De samenwerking van Hendrik De Clerck met Denijs van Alsloot", in: Bulletin Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique, 1967, S. 173, Fussnote 28 (als Werkstattkopie). - Willy Laureyssens: Hendrik de Clerck: zijn leven en zijn werk: een bijdrage tot de studie van het Manierisme in de Nederlanden, 1975, unveröffentlichte Dissertation, S. 476–477, Kat. Nr. 79 (als Werkstattkopie). - Sabine van Sprang: "Denijs van Alsloot (vers 1568–1625/26). Peintre paysagiste au service de la cour des Archiducs Albert et Isabelle", Turnhout 2014, Bd. I. S.103, Abb. 24a (als Werkstattkopie). Die Figuren stammen von der Hand Hendrick de Clercks (um 1570–1630). Dieses imposante Gemälde stellt eine Szene aus Ovids "Metamorphosen" (II, 442–453) dar: Die Nymphe Callisto hatte der Göttin Diana Keuschheit gelobt. Als Jupiter sich ihr jedoch in Gestalt Dianas näherte, brach sie ihr Gelüb- de. In der dargestellten Szene wird Callistos Schwanger- schaft von der Göttin entdeckt – ein Moment dramatischer Spannung. Die Jagdgöttin Diana thront im Zentrum der Komposition, umgeben von ihren Nymphen und Jagdhunden, die sich in einer idyllischen, von Licht durch- fluteten Waldlandschaft beim Bad vergnügen. Links im Vordergrund wird Callisto von ihren Gefährtinnen entklei- det, wodurch ihre Schwangerschaft sichtbar wird. Callisto wird daraufhin aus dem Gefolge Dianas verstos- sen und später von der eifersüchtigen Juno, der Ehefrau Jupiters, in eine Bärin verwandelt. Jupiter selbst er- barmt sich schliesslich und erhebt sie zum Sternbild der "Grossen Bärin". Der flämische Landschaftsmaler Denijs van Alsloot war insbesondere für seine Darstellungen von Waldlandschaf- ten, Jagdszenen und mythologischen Kompositionen bekannt. Seine Werke zeichnen sich durch eine zarte, helle Farbpalette und eine bemerkenswerte Detailgenauigkeit aus. Im Vergleich zu Gillis van Coninxloo (1544–1607), in dessen Nachfolge er steht, erreichen Alsloots Walddarstel- lungen eine gesteigerte Tiefenwirkung und ein ausgefeil- tes Lichtspiel. Alsloot wurde um 1600 von den Erzherzögen Albrecht VII. von Österreich (1559–1621) und Isabella Clara Eugenia von Spanien (1566–1633) zum Hofmaler in Brüssel ernannt. In dieser Funktion hielt er höfische Fest- lichkeiten, Prozessionen sowie Besitztümer des Herrscher- paares für die Nachwelt fest. Ein bedeutendes Beispiel sei- ner Tätigkeit am Hof, das ein Gartenfest im Vivier d’Oye bei Brüssel zeigt, wurde 2022 bei Koller erfolgreich versteigert (23.9.2022, Los 3050). Für figürliche Darstellungen arbeitete Alsloot oft mit führenden Künstlern seiner Zeit zusammen, darunter Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625), Antoon Sallaert (1594–1650) und insbesondere Hendrick de Clerck, der auch an dem vorliegenden Werk beteiligt war. De Clerck zählte zu den wichtigsten Figurenmalern der Zeit und wurde häufig mit der Neugestaltung von Altarbildern betraut, die im Zuge des Bildersturms von 1566–67 zerstört wurden. Dr. Sabine van Sprang, Verfasserin des Werkverzeich- nisses von Denijs van Alsloot, war das hier angebotene Gemälde für ihre Publikation von 2014 nur in einer Schwarz- Weiss-Fotografie bekannt, weshalb sie die Autorschaft zunächst der Werkstatt zuwies. 2016 hatte sie allerdings die Gelegenheit, das Gemälde im Original zu studieren und sich von der Eigenhändigkeit zu überzeugen. Sie bezeich- net es als eine sehr qualitätsvolle Arbeit von Denijs van Alsloot. Eine etwas kleinere eigenhändige Version der Komposition, deren Figuren ebenso von Hendrick de Clerck ergänzt wurden, befindet sich im Musée du Louvre, Paris (Öl auf Leinwand, 115 × 164 cm, Inv.-Nr. MI 960. Siehe Van Sprang 2014, S. 102–103, Kat. Nr. 13, Abb. Nr. 24). CHF 90 000/120 000 (€ 95 740/127 660) 24
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