GEMÄLDE ALTER MEISTER AUKTION 19. SEPTEMBER 2025

303 3 * BALTHASAR VAN DER AST (Middelburg um 1593–1657 Delft) Traube und Äpfel in einem Fruchtekorb mit Rosen, Tulpen und Melone. 1624. Öl auf Holz. Unten rechts signiert und datiert: B. van deR ast. fe. 1624. 34 x 56 cm. Provenienz: - Kunsthandel Abels, Köln, um 1950 (verso mit Etikett). - Auktion Yves Siebers, Stuttgart, 16.11.2023, Los 2141. - Europäischer Besitz. Literatur: Laurens Johannes Bol: The Bosschaert Dynasty. Painters of flowers and fruit, Leigh-on-Sea 1960, Nr. 68 (als Balthasar van der Ast). Dieses farbenprächtige Stillleben zeigt eine für Baltha- sar van der Ast charakteristische Komposition, bei der Früchte, Insekten und Blüten kunstvoll zu einer harmoni- schen Einheit arrangiert sind. Besonders bemerkenswert ist die virtuose Wiedergabe verschiedener Texturen: die matte Oberfläche der Quitten, die durchscheinende Haut der roten Johannisbeeren und die fein ausgearbeiteten Flügel der schillernden Libelle, zum Beispiel, zeugen von der technischen Brillanz des Künstlers. Van der Ast, dessen Werk in älteren kunsthistorischen Nachschlagewerken weitgehend unbeachtet blieb, wurde im 20. Jahrhundert wiederentdeckt. Eine umfassen- de monografische Ausstellung in Aachen und Gotha im Jahr 2016 widmete sich seiner stilprägenden Rolle in der Entwicklung des frühen Stilllebens (siehe Ausst.-Kat. Schöner als die Wirklichkeit. Die Stillleben des Balthasar van der Ast, Suermondt-Ludwig-Museum Aachen, 10.3.– 5.6.2016; Herzogliches Museum Gotha, 3.7.–3.10.2016). Der Meister war der Schüler und Schwager von Ambrosius Bosschaert d. Ä. (1573–1621), der dafür bekannt ist, die flämische Tradition der Stilllebenmalerei nach seiner Ankunft in Middelburg um 1585 in die niederländische Kunst eingeführt zu haben (siehe Text zu vorherigem Los). 1619 wird van der Ast als Meister in der Lukas-Gilde in Utrecht aufgenommen, wo er sich bis 1632 niederliess, bevor er nach Delft übersiedelte und dort bis an sein Le- bensende verblieb. Das hier vorliegende Werk entstand während seiner Utrechter Schaffenszeit, in der er bevorzugt Kompositionen mit Früchtekörben und floralen Elemen- ten entwickelte. Vergleichbare Bildlösungen finden sich etwa in einem datierten Gemälde von 1622 in der National Gallery of Art in Washington (Inv.-Nr. 1992.51.1). Ein besonderes Augenmerk verdient die Darstellung der berühmten rot-weiss gestreiften Tulpe "Semper Augustus" (“der immer Erhabene”), deren charakteristische Färbung sie zu einem begehrten Motiv der Zeit machte. Während der sogenannten Tulpenmanie im 17. Jahrhundert – einer Phase spekulativer Exzesse um Tulpenzwiebeln – erreich- ten Exemplare dieser Sorte Spitzenpreise und galten als Statussymbol. CHF 100 000/150 000 (€ 107 530/161 290) 48

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