GEMÄLDE ALTER MEISTER AUKTION 19. SEPTEMBER 2025

Antoine de Lonhy, ein aus Burgund stammen- der Maler, Buch- und Glasillustrator, war ab der Mitte des 15. Jahrhunderts in mehreren Regio- nen tätig – darunter Burgund, Toulouse, Katalo- nien, Savoyen und dem Piemont. Seine Werke zeichnen sich durch eine klare Linienführung, eine subtile Farbgebung sowie einen feinsin- nigen Ausdruck der dargestellten Figuren aus. Besonders charakteristisch für seinen Stil sind die zart gemalten Haare des Engels sowie der ruhende, andächtige Gesichtsausdruck. Das Gemälde bildete ursprünglich den linken Flügel eines fünfteiligen Altars, der von Domi- nikanerbrüdern in Auftrag gegeben wurde. Das zentrale Tafelbild zeigte die Geburt Christi (heute im Museum Mayer van den Bergh, Antwerpen, Inv.-Nr. MMB.0163). Links davon befanden sich der Heilige Dominikus (Galleria Sabauda, Turin, Inv.-Nr. 1133) sowie die vorliegende Darstellung des Erzengels Michael. Die rechte Seite des Triptychons umfasste zwei weitere Tafeln: Johan- nes der Täufer mit der Auftraggeberin (heute in Schweizer Privatbesitz) sowie der Heilige Vinzenz Ferrer (Musée de Cluny, Paris, Inv.-Nr. Cl. 23878) (Abb. 1). Eine Predella vervollständigte vermutlich die Komposition (siehe Elsig 2018, S. 70). Erstmals erwähnt wurde das Ensemble im Ver- kaufskatalog des Mailänder Kunsthändlers Francesco Molinari. Offenbar blieb der Altar unver- äussert, woraufhin die Werke um 1889 nach Paris gebracht wurden. Unsere Tafel sowie die zentrale Geburt Christi wurden 1890 im Hôtel Drouot ver- steigert (siehe Auss.-Kat. Susa/Turin 2021/22, S. 292). Die Zuschreibung an Antoine de Lonhy, früher auch als "Meister der Trinität von Turin" bezeich- net, wurde von den Kunsthistorikern François Avril und Giovanni Romano bestätigt (siehe Romano 1988, S. 23; Avril 1989, S. 19–21, 27; Romano 1989, S. 36–37). Die ursprüngliche Her- kunft des Altars bleibt bislang unklar. Giovanni Romano vermutete einen Auftrag für die Kirche San Domenico in Turin (Romano 1989, S. 39), während Serena d’Italia davon ausgeht, dass der Michaels­ altar inSanDomenico inChieri für dieeinflussreiche Familie Solaro errichtet wurde (Serena d’Italia 2021, S. 292). CHF 40 000/60 000 (€ 42 550/63 830) 5

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