GEMÄLDE ALTER MEISTER AUKTION 19. SEPTEMBER 2025
3034* SALOMON VAN RUYSDAEL (Naarden um 1600–1670 Haarlem) Segelschiffe auf dem Haarlemmermeer mit Schloss Heemstede im Hintergrund. Öl auf Holz. Unten rechts monogrammiert: SvR. 21,9 × 31,4 cm. Provenienz: - Auktion Frederik Muller & Cie., Amsterdam, 25.4.1911, Los 96. - Sammlung R. Page-Croft. - Auktion Christie’s, London, 28.6.1974, Los 15. - Sammlung Konig. - Kunsthandel Müllenmeister, Solingen. - Kunsthandel Pieter de Boer, Amsterdam. - Auktion Christie's, London, 7.12.2017, Los 8. - Europäischer Besitz. Literatur: Wolfgang Stechow: Salomon van Ruysdael, Berlin 1938/75, S. 113, Kat.-Nr. 302. Salomon van Ruysdael zählt zu den bedeutendsten niederländischen Landschaftsmalern des 17. Jahrhun- derts. In der vorliegenden Auktion dürfen wir drei herausra- gendeWerke anbieten, die exemplarisch für die Reifephase seines Schaffens stehen und die charakteristischen Merkmale seiner meisterhaften Landschaftsdarstellung vereinen. Siehe auch Lose 3038 und 3047. Gemeinsam mit Jan van Goyen (1596–1656), Pieter van Santvoort (1604/05–1635) und Pieter de Molijn (1595– 1661) gehörte Salomon van Ruysdael zu den Pionieren des sogenannten "tonalen" Landschaftsstils, der sich in Haar- lem in den späten 1620er- und frühen 1630er-Jahren ent- wickelte. 1623 trat er der Lukasgilde in Haarlem bei; sein frühestes datiertes Werk entstand 1626. In diesen frühen Arbeiten ist der Einfluss Esaias van de Veldes (1587–1630), der zwischen 1609 und 1618 in Haarlem tätig war, ebenso spürbar. Obwohl van Ruysdael sein Leben lang in Haarlem ansässig blieb, lassen seine Gemälde darauf schliessen, dass er Reisen durch die Niederlande unternommen haben muss – nach Leiden, Utrecht, Amersfoort, Arnhem, Alkmaar, Rhenen und Dordrecht. Überraschenderweise sind nur wenige seiner Werke bekannt, die die Umgebung von Haarlem mit eindeutig identifizierbarer Topografie darstellen – wie das hier präsentierte Gemälde. Das Werk dürfte um die Mitte der 1640er-Jahre entstanden sein, als der Künstler begann, kleinere Formate auf Holz zu bevorzugen. Charakteristisch für diese Phase sind Motive mit flachen Vordergründen, auf denen Schiffe unter weit ausladendem Himmel gleiten – ein Sujet, das van Ruysdael in den folgenden Jahren konsequent weiterentwickelte. Norbert Middelkoop identifiziert den dargestellten Ort als das Haarlemmermeer mit dem Schloss Heemstede im Hintergrund. Der in der Karte markierte Standpunkt der Komposition (siehe Abb. 1) erlaubt den Blick nach Norden, eingefangen im sanften Licht des späten Nachmittags. In der linken Ferne erheben sich die charakteristischen, unregelmässigen Türme des Schlosses Heemstede, ursprünglich 1280 errichtet. In der Mittelzone mündet der Fluss Spaarne in das weite Haarlemmermeer, über das mehrere kleine Handelsschiffe aus Haarlem Richtung Leiden unterwegs sind. Der schattige Vordergrund, lebendig mit lockeren, zügigen Pinselstrichen gestaltet, verstärkt die Tiefenwirkung, während ein silbernes Band aus Licht, das durch die sich teilenden Wolken auf das Wasser fällt, den Blick in die Ferne leitet. Das Haarlem- mermeer ist heute als Folge der Trockenlegung im 19. Jahrhundert ein Poldergebiet, auf dem unter anderem der Amsterdamer Flughafen Schiphol liegt. CHF 80 000/120 000 (€ 85 110/127 660) Abb. 1: Historische Landkarte vom Haarlemmermeer aus dem 19. Jahrhundert. Public domain. 50
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